Geschichte – Sekundarstufe I – Bildungsplan 2016

Schloss Versailles, Öl auf Leinwand, Pierre Patel 1668; Bild: Wikimedia Commons

Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Geschichte in der Sekundarstufe I vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf die Bildungspläne 2004 und 2012 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Der Geschichtsunterricht hat in Hinblick auf die Integration der Medienbildung bereits mit den Bildungsplänen 2004 und 2012 ein gewisses Maß an Vorarbeit geleistet. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ der Werkrealschule zum Fach WZG wird die „Medienkompetenz“ bzw. „Medienerziehung“ als „Informationstechnische Grundbildung und Medienerziehung“ (BP 2012, WRS, Geschichte, S. 133) formuliert. Obgleich sich der Einsatz digitaler Medien als Werkzeug zur Erreichung der im Bildungsplan formulierten Kompetenzen geradezu aufdrängt, wird die Verwendung in den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ nur an einer Stelle erwähnt. „Elektronische Medien werden als Beitrag zur Informationstechnischen Grundbildung und Medienerziehung genutzt“ (S. 132). Durch diese Formulierung scheint der Einsatz digitaler Medien primär als (Pflicht-)Beitrag zu ITG und Medienerziehung verstanden zu sein.

 

Der Bildungsplan der Realschule von 2004 zeigt sich hier ganz ähnlich – auch hier wird die Medienbildung an zwei Stellen aufgeführt: „Die Schülerinnen und Schüler sind zunehmend in der Lage, verschiedene Informationsträger, zum Beispiel […] Filme und Internetangebote kritisch […] zu betrachten und […] zu bewerten“ (BP 2004, RS, Geschichte, S. 104). Weitere Kompetenzen sind hingegen dem Fach ITG zu entnehmen: „Das Fach Geschichte leistet einen Beitrag zur Informationstechnischen Grundbildung, indem bei der Unterrichtsgestaltung moderne Medien einbezogen werden. Die Kompetenzen und Inhalte hierfür werden den rahmengebenden Bildungsstandards für Informationstechnische Grundbildung entnommen“ (S. 105).

 

Im Bereich „Kompetenzen und Inhalte“ sind im Bildungsplan 2004 der Realschule im Fach Geschichte keinerlei medienbildnerische Aspekte formuliert. In der Werkrealschule hingegen ist die Medienbildung gemäß dem Bildungsplan von 2004 auch unter „Kompetenzen und Inhalte“ Bestandteil des WZG-Unterrichts. In vielen Fächern – wie auch WZG/Geschichte – erfolgt die Medienbildung vor allem über den Zweig „Lernen mit Medien.“ Die (digitalen) Medien stellen ein effektives Werkzeug zur Vermittlung von fachlichen Inhalten dar. In WZG/Geschichte erfolgt jedoch auch das Lernen über Medien, welches dem Bereich „Mediengesellschaft und Analyse“ zuzuordnen ist.

 

Der WZG/Geschichtsunterricht hat folglich insbesondere durch den Bereich „Mediengesellschaft und -analyse“ und in gewissem Umfang auch durch Aspekte des Urheber- und Persönlichkeitsrechts, des Datenschutzes und des Jugendmedienschutzes bereits mit dem Bildungsplan 2004 eine Grundlage geschaffen. Gerade in diesen Bereichen ist eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg für den Geschichtsunterricht vergleichsweise leicht umzusetzen. Die anderen in den Bildungsplänen 2004 und 2012 nicht explizit beschriebenen Kompetenzen, welche wir heute z.B. „Information und Wissen“, „Kommunikation und Kooperation“ oder „Produktion und Präsentation“ zuordnen, waren dennoch kaum wegzudenkender Bestandteil des Geschichtsunterrichts in der täglichen Praxis, auch im Rahmen der Bildungspläne 2004 und 2012. In diesen Bereichen wurde immer dann gearbeitet, wenn die Schülerinnen und Schüler Informationen im Internet recherchierten, gruppenweise im PC-Raum zusammenarbeiteten oder ihre Arbeitsergebnisse mit Präsentationsprogrammen vor der Klasse demonstrierten.

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Medienkompetenz und Medienbildung im Geschichtsunterricht ab 2016

Erster Weltkrieg: zerschossener Wald in den Argonnen; Bild: Bundesarchiv/Wikimedia Commons, Lizenz: CC BY-SA

In den neuen Bildungsplänen wird die Medienbildung im Geschichtsunterricht verstärkt vermittelt. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird im Bildungsplan 2016 die Medienbildung für die Sekundarstufe I als eine Leitperspektive formuliert, welche „eine zentrale Rolle im Fach Geschichte ein[nimmt]“ (BP 2016, Sek I, Geschichte, S. 7). Ein besonderer Fokus liegt in diesem Bereich auf dem Themenkomplex „Mediengesellschaft und -analyse“, denn die „Entwicklung unserer Gesellschaft zu einer Mediengesellschaft kann nur in historischer Perspektive verstanden werden“ (S. 7). Losgelöst von unserer aktuellen Gesellschaft wird auch auf die „ambivalente Rolle der Medien in gesellschaftlichen Wandlungsprozessen“ (S. 7) in der Vergangenheit verwiesen und die Notwendigkeit betont, die Schülerinnen und Schüler „für die zentrale Bedeutung von Medien bei der Konstruktion von Wirklichkeit“ (S. 7) zu sensibilisieren.


Unter „Methodenkompetenz“ wird schließlich in Anlehnung daran die Kompetenz formuliert, dass „Schülerinnen und Schüler lernen, verschiedene analoge und digitale Materialien fachgerecht und kritisch auszuwerten“ (S. 9).


Während medienbildnerische Kompetenzen, welche aus Teilbereichen wie „Information und Wissen“ bzw. „Produktion und Präsentation“ stammen, in den meisten Fächern quasi „nebenher“ umgesetzt werden („Lernen mit Medien“), wird in den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ des Faches Geschichte somit explizit das Lernen über Medien gefordert.

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Im Rahmen der Methodenkompetenz können die Schülerinnen und Schüler „unterschiedliche Materialien (insbesondere Texte, Karten, Statistiken, Karikaturen, Plakate, Historiengemälde, Fotografien, Filme, Zeitzeugenaussagen) auch unter Einbeziehung digitaler Medien analysieren“ sowie „die für eine Problemlösung erforderlichen Informationen beschaffen (zum Beispiel Bibliothek, Internet)“ (S. 15). Während die zuletzt genannte Kompetenz in der Medienbildung zum Bereich „Information und Wissen“ zählt, kann die anfangs genannte dem Bereich „Mediengesellschaft und -analyse“ zugeordnet werden.


In den gleichen Bereich gehört auch die Forderung aus der Orientierungskompetenz, dass Schülerinnen und Schüler „das kollektive Gedächtnis, insbesondere unterschiedliche Geschichtsbilder, analysieren und bewerten [können], auch unter Berücksichtigung ihrer medialen Darstellung“ (S. 16).

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Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Im Bildungsplan 2004 ist das Fach Geschichte in den Fächerverbund WZG integriert. Somit sind zusätzlich die Fächer Erdkunde und vor allem Gemeinschaftskunde Bestandteil der Kompetenzbeschreibungen im Bildungsplan. Hierdurch konnten in dem Fach mehr Inhalte formuliert werden, da deutlich mehr Wochenstunden für den Unterricht aller drei Kernfächer zur Verfügung standen. Aufgrund dessen ist es auch wenig verwunderlich, dass im Bereich der Medienbildung im einzelnen Fach Geschichte kein Zuwachs in der Medienbildung gegenüber den Fächern Geschichte, Geographie und Gemeinschaftskunde (=WZG) 2004 zu verzeichnen ist, da nicht zuletzt der komplette Bereich der „Mediengesellschaft und -analyse“ verschoben wurde. Ein kurzer Blick in den Bildungsplan 2016 zeigt, dass dieser wichtige Themenkomplex in das Fach Gemeinschaftskunde transferiert worden ist („Leben in der Medienwelt“) (BP 2016, Sek I, Gemeinschaftskunde).

 

Gleiches gilt für den Vergleich Geschichtsunterricht in der Realschule gemäß Bildungsplan 2004 im Vergleich zur Fassung 2016: Zahlreiche (wichtige) Elemente der Medienbildung sind nun im Gemeinschaftskundeunterricht verortet.

 

Allerdings könnten unter der Voraussetzung, dass jedwede Art von Quellenmaterialien (analog und/oder digital) als „Medium“ betrachtet wird, Medienbildungskompetenzen durch nahezu jeden Bildungsstandard in den inhaltsbezogenen Kompetenzen abgebildet werden.

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Klassen 5/6

In den Klassen 5/6 werden keine medienbildnerischen Kompetenzen explizit formuliert. Anknüpfungspunkte für das Lernen mit Medien bieten sich jedoch vor allem hinsichtlich Recherchearbeiten zu Kulturen wie den Ägyptern oder den Griechen.

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Klassen 7/8/9

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Dem Themengebiet der Medienbildung „Information und Wissen“ ordnet der Bildungsplan 2016 die Kompetenz zu, laut derer die Schülerinnen und Schüler „den Epochenwechsel vom Mittelalter zur Neuzeit charakterisieren und seine Erscheinungsformen im Alltag der Menschen beschreiben (z. B. Kopernikanische Wende, Buchdruck)" (S. 26). Offensichtlich wurde dieses Themengebiet exemplarisch gewählt, denn nahezu alle übrigen Themengebiete ließen sich mit der gleichen Berechtigung „Information und Wissen“ zuordnen, in denen die Schülerinnen und Schüler sich zum Beispiel Informationen zu einem Themenkomplex selbständig aus dem Internet beschaffen können.

 

Dem Bereich „Kommunikation und Kooperation“ ordnet der Bildungsplan die Kompetenz zu, „die Welt am Ende des 19. Jahrhunderts als wirtschaftlich und kommunikativ vernetzten Interaktionsraum beschreiben [zu können]“ (S. 32). Auch hier ist offensichtlich eine Kompetenz exemplarisch gewählt worden, denn auch hier lässt sich feststellen, dass die medienbildnerische Kompetenz „Kommunikation und Kooperation“, in welcher Schülerinnen und Schüler über digitale Geräte miteinander zusammenarbeiten und kommunizieren, genauso gut an jedem anderen Thema praktiziert werden könnte. Immer wenn Schülerinnen und Schüler zum Beispiel im Computerraum zusammen an einem Thema arbeiten oder sich via E-Mail oder Messenger ihre Arbeitsergebnisse zusenden, wird dieser Bereich der Medienbildung aufgegriffen.

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Klasse 10

In Klasse 10 wird auf die Medienbildung nicht ausdrücklich verwiesen. Anknüpfungspunkte gerade für den Medienbildungsbereich „Information und Wissen“ bieten sich jedoch für den Geschichtsunterricht an vielen Stellen an: Die Schülerinnen und Schüler können sich zum Beispiel Informationen zu einem Themenkomplex selbständig aus dem Internet beschaffen, diese kritisch hinterfragen und anhand bestimmter Kriterien bewerten.


Auch die medienbildnerische Kompetenz „Kommunikation und Kooperation“, in welcher die Schülerinnen und Schüler über digitale Geräte miteinander zusammenarbeiten und kommunizieren, kann an jedem beliebigen Thema praktiziert werden. Immer wenn Schülerinnen und Schüler zum Beispiel im Computerraum zusammen an einem Thema arbeiten oder sich via E-Mail oder Messenger ihre Arbeitsergebnisse zusenden, wird dieser Bereich der Medienbildung eingeübt.

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Pädagogische Praxis

LEO-BW: Landeskunde entdecken online

Geschichte, Klasse 5–7, Sek I/Gym: Die Schülerinnen und Schüler recherchieren auf dem Portal leo-bw.de lokalgeschichtliche Informationen zu ihrem Heimatort.weiterlesen

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