Geschichte – Gymnasium – Bildungsplan 2016

Schloss Ludwigsburg, Fassadenentwurf des Nordflügels; Bild: Wikimedia Commons

Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Geschichte im Gymnasium vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf den Bildungsplan 2004 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

In den Leitgedanken zum Kompetenzerwerb des Bildungsplans 2004 nimmt die Medienbildung im Fach Geschichte eine eher untergeordnete Rolle ein. Nur an zwei Stellen wird sie explizit erwähnt: Die Schülerinnen und Schüler „können die neuen Medien angemessen, aber auch kritisch als Werkzeug im Unterricht nutzen, um Informationen zu gewinnen, zu bearbeiten und auszuwerten“ (BP 2004, Gym, Geschichte, S. 217). Darüber hinaus kennen „die Schülerinnen und Schüler […] Formen traditioneller und computergestützter Präsentation und können diese in der den jeweiligen Arbeitsergebnissen angemessenen Weise anwenden“ (S. 217). Im Bereich „Kompetenzen und Inhalte“ wird das Lernen mit und über Medien hingegen vollständig ausgeklammert und an keiner Stelle ausdrücklich genannt.


In welchem Maße Medienbildung im Fach Geschichte bisher erfolgt ist, hing somit wesentlich von den Lehrkräften und ihrer Umsetzung des Bildungsplanes ab: Durch die Reduktion auf zwei Kompetenzen der Medienbildung konnte es geschehen, dass diese größtenteils aus dem Unterricht ausgeklammert war. Umgekehrt kann in Abhängigkeit von der Lehrkraft gerade durch die Kompetenz „Information gewinnen, bearbeiten und auswerten“ regelmäßig der Aspekt des Lernens mit Medien eingeübt worden sein. Eine Verpflichtung zur Arbeit mit digitalen Medien besteht im Bildungsplan 2004 jedoch nur in sehr geringem Umfang.


Der Geschichtsunterricht hat folglich in Hinblick auf die Medienbildung der Schülerinnen und Schüler die letzten Jahre nur geringe Grundlagen gelegt. Für eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg ist also für den Geschichtsunterricht noch einiges nachzuholen.

Medienkompetenz und Medienbildung im Geschichtsunterricht ab 2016

Napoleon III. und Otto von Bismarck nach der Schlacht von Sedan; Bild: Wikimedia Commons

In den neuen Bildungsplänen wird die Medienbildung im Geschichtsunterricht verstärkt umgesetzt. Die inhalts- und prozessbezogenen Kompetenzen des Geschichtsunterrichts finden im Bildungsplan in den medienbildnerischen Bereichen „Information und Wissen“, „Kommunikation und Kooperation“ sowie „Mediengesellschaft und -analyse“ mehrfach Erwähnung.


In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird im Bildungsplan 2016 die Medienbildung für das Gymnasium insbesondere im Bereich „Mediengesellschaft und -analyse“ formuliert. Während dieser gerade für das Fach Geschichte wichtige Bereich im Bildungsplan 2004 keine Beachtung fand, tritt er in der Fassung von 2016 als zentraler Bestandteil der Medienbildung im Fach Geschichte hervor. Die Schülerinnen und Schüler stoßen „im Verlauf der Jahrhunderte immer wieder auf die ambivalente Rolle der Medien in gesellschaftlichen Wandlungsprozessen. Dabei werden sie für die zentrale Bedeutung von Medien bei der Konstruktion von Wirklichkeit sensibilisiert und zu einer reflektierten Mediennutzung befähigt (z.B. auch hinsichtlich des Urheberrechts). Sie erfahren, „wie wichtig die kritische Auseinandersetzung mit Medien für die Weiterentwicklung eines demokratischen Gemeinwesens und seiner zivilgesellschaftlichen Strukturen ist“ (BP 2016, Gym, Geschichte, S. 5). Zum gleichen Bereich der Medienbildung ist die Thematisierung des „epochalen Strukturwandel[s] durch Digitalisierung und Globalisierung“ in der Oberstufe zu zählen (S. 13).


Ergänzt wird diese Kompetenz durch den Bereich der Medienbildung „Information und Wissen“: „Die Schülerinnen und Schüler lernen, verschiedene analoge und digitale Materialien fachgerecht und kritisch auszuwerten“ (S. 7). Hierbei ist jedoch gerade bei der Lektüre der inhaltsbezogenen Kompetenzen darauf zu achten, dass diese „weder erschöpfend noch zwingend [sind]. Wenn im Bildungsplan nur an einer Stelle auf eine bestimmte Kompetenz verwiesen wird, ist daraus keineswegs zu folgern, dass diese nur einmal eingeübt werden sollte“ (S. 10). Dies ist ein Aspekt, der insbesondere im Bereich „Information und Wissen“ zum Tragen kommt. Die fachgerechte und kritische Auswertung (digitaler) Medien ist eine Kompetenz, die nicht nur an einer Stelle eingefordert wird, sondern sich wie ein roter Faden durch den gesamten Bildungsplan 2016 für das Fach Geschichte zieht.

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Im Rahmen der Methodenkompetenz sollen die Schülerinnen und Schüler „unterschiedliche Materialien (insbesondere Texte, Karten, Statistiken, Karikaturen, Plakate, Historiengemälde, Fotografien, Filme, Zeitzeugenaussagen) auch unter Einbeziehung digitaler Medien kritisch analysieren“ (S. 14). In Bezug auf die Medienbildung ist dies ebenso dem Bereich „Information und Wissen“ zuzuordnen wie die Forderung, dass die Schülerinnen und Schüler „die für eine Problemlösung erforderlichen Informationen (zum Beispiel Bibliothek, Internet) beschaffen [können]“ (S. 14).


Hinsichtlich der Reflexionskompetenz sollen die Lernenden „Deutungen aus verschiedenen Perspektiven erkennen, vergleichen und beurteilen […], auch unter Berücksichtigung der Geschichtskultur (zum Beispiel TV-Dokumentationen, historische Spielfilme, Museen, Gedenkstätten)“ (S. 15). Dies findet in der Medienbildung im Bereich „Mediengesellschaft und -analyse“ seine Entsprechung. Gleiches gilt für die im Rahmen der Orientierungskompetenz formulierte Aussage, dass die Schülerinnen und Schüler „das kollektive Gedächtnis, insbesondere unterschiedliche Geschichtsbilder, analysieren und bewerten [können], auch unter Berücksichtigung ihrer medialen Darstellung“ (S. 15).

Zahlreiche Praxisvorschläge für das Fach Geschichte im Gymnasium finden Sie in unserer Pädagogischen Praxis.

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Gerade der wichtige Aspekt der „Mediengesellschaft und -analyse“, für den das Fach Geschichte prädestiniert ist, findet sich im Bildungsplan 2016 gleich an mehreren Stellen wieder, nachdem dieser im Bildungsplan 2004 keine Erwähnung fand. Da diese Thematik innerhalb der Medienbildung sicherlich als anspruchsvollste zu gelten hat, tritt diese allerdings erst in den Klassen 9/10 in Erscheinung.


Hingegen werden die Bereiche „Kommunikation und Kooperation“ sowie „Information und Wissen“ bereits in den Klassen 7 und 8 behandelt. Der Bildungsplan 2016 erwähnt darüber hinaus, dass diese medienbildnerischen Kompetenzen jedoch nicht auf die genannten inhaltsbezogenen Kompetenzen, in deren Zusammenhang sie angeführt werden, beschränkt sind. Für die Praxis bedeutet dies, dass gerade „Kommunikation und Kooperation“ und „Information und Wissen“ wesentlich häufiger im Unterricht anzutreffen sein werden. Eine Zusammenarbeit der Schülerinnen und Schüler, eine Recherche und weiterführende Sicherung und Bearbeitung und Darstellung der Arbeitsergebnisse ist ohne digitale Medien für den künftigen Geschichtsunterricht kaum vorstellbar.


Zudem könnten unter der Voraussetzung, dass jedwede Art von Quellenmaterialien (analog und/oder digital) als „Medium“ betrachtet wird, Medienbildungskompetenzen durch nahezu jeden Bildungsstandard in den inhaltsbezogenen Kompetenzen abgebildet werden.

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Klassen 5/6

Idealisierte Ansicht der Akropolis, Leo von Klenze; Bild: Wikimedia Commons

In den Klassen 5/6 werden keine medienbildnerischen Kompetenzen explizit formuliert. Anknüpfungspunkte für das Lernen mit Medien bieten sich jedoch vor allem hinsichtlich Recherchearbeiten über Kulturen wie die Ägypter oder die Griechen an.

Klassen 7/8

In den Klassen 7/8 werden zwei Bereiche der Medienbildung aufgegriffen. Zum einen sollen die Schülerinnen und Schüler den Übergang „vom Mittelalter zur Neuzeit charakterisieren“ und als Epochenwechsel beurteilen sowie „seine Erscheinungsformen im Alltag der Menschen erläutern“ (S. 22) („Information und Wissen“). Zum anderen sollen sie „die Welt am Ende des 19. Jahrhunderts als wirtschaftlich und kommunikativ vernetzten Interaktionsraum beschreiben“ (S. 25) („Kommunikation und Kooperation“).


In beiden inhaltsbezogenen Kompetenzen wird deutlich, dass diese exemplarisch für den jeweils aufgeführten Bereich der Medienbildung stehen: In nahezu allen anderen Themenbereichen (wie zum Beispiel Imperialismus und Erster Weltkrieg) könnten diese ebenso verankert werden. Wie bereits erwähnt, ist dabei nicht zu vergessen, dass wenn „im Bildungsplan nur an einer Stelle auf eine bestimmte Kompetenz verwiesen wird, […] daraus keineswegs zu folgern [ist], dass diese nur einmal eingeübt werden sollte.“ (S. 10)

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Klassen 9/10

Standarten beim 5. NSDAP-Parteitag in Nürnberg 1933; Bild LMZ

In den Klassen 9/10 wird der Bereich „Mediengesellschaft und -analyse“ für folgende inhaltsbezogene Kompetenz festgelegt: Die Schülerinnen und Schüler können „das Alltagsleben in der NS-Diktatur zwischen Zustimmung, Unterdrückung und Widerstand erläutern und Auswirkungen auf die Stabilität der NS-Herrschaft beurteilen“ (S. 28). Ein Aspekt, den die Schülerinnen und Schüler in diesem Zusammenhang eingehender untersuchen sollen, ist die NS-Propaganda, die sich besonders dazu eignet, Inhalte der Medienanalyse zu vermitteln: In besonders anschaulicher Weise können die Wirkung der Medien und das manipulative Potential verdeutlicht werden.

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Klassen 11/12

Auch in den Klassen 11/12 wird der anspruchsvollere Bereich der Medienbildung – nämlich die „Mediengesellschaft und -analyse“ – aufgegriffen. Die hierzu formulierte inhaltliche Kompetenz lautet: Die Schülerinnen und Schüler können „Machterwerb und Herrschaftspraxis des Nationalsozialismus analysieren und bewerten“ (S. 40). Die Analyse der manipulativen Selbstdarstellung des Nationalsozialismus sowie der Berichtserstattung von Kriegsereignissen im Rahmen von Reichsfunk, Presse und Wochenschauen bieten in diesem Kontext eine ergiebige Basis, um die Schülerinnen und Schüler auf einem höheren Reflexionsniveau an die Analyse der Mediengesellschaft und ihrer Wirkmechanismen heranzuführen.

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Ausgewählte Praxisbeispiele

LEO-BW: Landeskunde entdecken online

Geschichte, Klasse 5–7, Sek I/Gym: Die Schülerinnen und Schüler recherchieren auf dem Portal leo-bw.de lokalgeschichtliche Informationen zu ihrem Heimatort.weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis