Geographie – Sekundarstufe I – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Geographie in der Sekundarstufe I vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf die Bildungspläne 2004 und 2012 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Im Bildungsplan 2004 sind für den Geographieunterricht der Realschule bereits Ansätze für eine Integration der Medienbildung zu finden. Die Kompetenzen des Faches Geographie wurden in der Realschule bislang im Fächerverbund „Erdkunde – Wirtschaftskunde – Gemeinschaftskunde“ (kurz EWG) umgesetzt. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird der Bereich der Medienarbeit dabei bereits als eigener Bereich „Methoden- und Medienkompetenz“ aufgegriffen und umfasst folgende Kompetenzen:

 

  • Die Schülerinnen und Schüler können „insbesondere Medien, die im Alltag eine zentrale Rolle spielen, im Sinne einer kritischen Medienkompetenz nutzen“ (BP 2004, Realschule, EWG, S. 117).
  • „Mithilfe der anschaulichen und in großer Anzahl zur Verfügung stehenden Medien sind die Schülerinnen und Schüler dazu fähig, einen zunehmenden Teil der Lernprozesse selbst zu organisieren“ (ebd.).
  • „Sie können multimediale Nachschlagewerke und das Internet zur Informationsbeschaffung einsetzen, sich damit kritisch auseinandersetzen sowie mit multimedialen Lernprogrammen umgehen“ (S. 118).
  • „Indem bei der Unterrichtsgestaltung der Einsatz moderner Medien als Bildungsgut, als Bildungsvoraussetzung und als Beitrag zu Bewältigung der Lebenssituation angestrebt wird, trägt der Fächerverbund zum Kompetenzerwerb im Bereich der Informationstechnischen Grundbildung (ITG) bei“ (S. 119).


Auch unter „Kompetenzen und Inhalte“ werden für den Geographieunterricht medienbildnerische Aspekte thematisiert. Der arbeitsorientierte Umgang mit Medien jeglicher Art ist ein zentraler Bestandteil des Geographieunterrichts. Einen besonderen Stellenwert nimmt dabei der kritische Umgang mit Massenmedien und dessen Hinterfragung ein.

 

Im Bildungsplan 2012 sind für den Geographieunterricht der Hauptschule bzw. Werkrealschule ebenfalls bereits Ansätze für eine Integration der Medienbildung zu finden. Hier wurde der Geographieunterricht bislang im Fächerverbund „Welt – Zeit und Gesellschaft“ verortet. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird die „Medienkompetenz“ zwar nicht als eigene Kompetenz aufgeführt, jedoch sollen „elektronische Medien […] als Beitrag zur Informationstechnischen Grundbildung und Medienerziehung genutzt [werden]. Die Schülerinnen und Schüler lernen, Medien für Präsentationen herzustellen“ (BP 2012, WRS, WZG, S. 133).

 

Unter „Kompetenzen und Inhalte“ werden für den Geographieunterricht vereinzelt medienbildnerische Aspekte thematisiert, so zum Beispiel:


•    Die Schülerinnen und Schüler „können verantwortlich mit Medienangeboten umgehen und kennen die grundlegenden rechtlichen Aspekte bei veröffentlichten Daten“ (S. 135).

Insgesamt liefert das Fach Geographie in beiden Schularten einen wichtigen Beitrag zur Informationstechnischen Grundbildung. Vor allem in der Realschule wurden bereits Grundlagen für die Umsetzung der Leitperspektive Medienbildung gelegt.

Medienkompetenz und Medienbildung im Geographieunterricht ab 2016

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Als Beitrag zur Leitperspektive Medienbildung sind die „Kritische[n] Medienanalysen, die Reflexion sowie die Kommunikation von Information […] zentraler Bestandteil des Geographieunterrichts. Dazu gehören auch die Produktion von Medien zu geographischen Sachverhalten und deren Präsentation. Darüber hinaus werden informationstechnische Grundlagen entwickelt.“ (BP 2016, Allg. Sek 1, Geographie, S. 6). Als Beitrag zur Leitperspektive Verbraucherbildung ist „der Einflussfaktor Medien […] häufig wiederkehrende[r] und angemessen beachtete[r] Aspekt[e] geographischer Fragestellungen“ (ebd.).

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

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Die Medienbildung in der Sekundarstufe ist als Leitperspektive in der Methoden- und Handlungskompetenz des Geographieunterrichts integriert. Die Schülerinnen und Schüler sollen „die Fähigkeit [erwerben], geographische Sachverhalte mithilfe geeigneter Medien darzustellen“ (S. 7). „Ihr Interesse und ihre Kreativität, aber auch ihre kritische Offenheit gegen-über neuen geographischen auch technikgestützten Medien und Methoden ist ebenso ausgeprägt wie ihre Bereitschaft, diese weiter zu entwickeln“ (ebd.).

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Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Im Bildungsplan 2016 wird die Medienbildung im Kontext aller Teilsysteme des Geographieunterrichts explizit aufgeführt.
Diese sind:

(1)    Teilsystem Erdoberfläche
(2)    Teilsystem Wetter und Klima
(3)    Teilsystem Wirtschaft
(4)    Teilsystem Gesellschaft
(5)    Natur- und Kulturräume

Klassen 5/6

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Im Geographieunterricht der Klassen 5 und 6 sollen Medien im „Teilsystem Erdoberfläche“ im Bereich „Grundlagen der Orientierung“ integriert werden, um „die Lage der Kontinente und Ozeane“ (S. 13), „die politische Gliederung Deutschlands und Europas [zu] beschreiben“ (S. 13) und „die Nutzung analoger und digitaler Hilfsmittel zur Orientierung [zu] erläutern (digitale Karte, […] Navigationssystem)“ (S. 14).

 

Im „Teilsystem Wetter und Klima“, sollen die Schülerinnen und Schüler „anhand eines einfachen Versuches ein Wetterelement beschreiben“ (S. 17). Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Entstehung von Wolken in einem Gefäß mit heißen Wasser und einem Kühlbeutel als Deckel. Dieser Versuch kann auch mediengestützt erfolgen, so z.B. mit entsprechenden Fotos und Animationen (LINK: siehe Themenbanken „Wolken und Wetter“ sowie „Wie entsteht aus Wolken Regen?“). Hier wird der Bereich „Produktion und Präsentation“ der Leitperspektive Medienbildung aufgegriffen.

 

Folgende Kompetenzen sind im „Teilsystem Wirtschaft“ und speziell im Bereich „Wechselwirkungen zwischen wirtschaftlichem Handeln und Naturraum“ aufgeführt und können z.B. über eine Internetrecherche erarbeitet werden: Die Schülerinnen und Schüler können „anhand eines Betriebsbeispiels die Abhängigkeit der Landwirtschaft von der naturräumlichen Ausstattung und vom Markt“ (S. 20) und „anhand eines Industriestandorts Voraussetzungen und Auswirkungen industrieller Produktion herausarbeiten“ (ebd.). Gleiches gilt für die Kompetenz der Schülerinnen und Schüler, „Zusammenhänge zwischen naturräumlicher Ausstattung und menschlicher Nutzung an folgenden Raumbeispielen erklären sowie an mindestens einem Raumbeispiel Vorteile einer nachhaltigen Nutzung erklären“ (S. 21) zu können.

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Klassen 7/8/9

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Der Bereich „Grundlegende exogene und endogene Prozesse“ im „Teilsystem Erdoberfläche“ beinhaltet die Beschreibung des Schalenbaus der Erde sowie die Charakterisierung „grundlegende[r] plattentektonische[r] Prozesse und deren Auswirkungen“ (S. 23). Beide Kompetenzen sind dem Bereich „Information und Wissen“ zugeordnet, wodurch einmal mehr vor allem die Recherchekompetenz aufgegriffen wird. Eine Ergänzung der Leitperspektive auf Niveau (E) „Produktion und Präsentation“ bildet folgende Kompetenz: Die Schülerinnen und Schüler können „den Kreislauf der Gesteine ausgehend von regionale Beispielen erläutern“ (ebd.).

 

Dem Teilsystem „Wetter und Klima“ in Klassenstufe 7, 8 und 9 ist die Kompetenz „Globale Auswirkungen des Klimawandels im Überblick beschreiben“ zugeordnet (S. 26). Dies kann mediengestützt erfolgen, so z.B. mit Hilfe von Vorher-Nachher-Satellitenbildern.


Das „Teilsystem Gesellschaft“ liefert mit „ein (Schul-)Projekt der Entwicklungszusammenarbeit hinsichtlich der Verbesserung der Lebensverhältnisse anhand ausgewählter nachhaltiger Entwicklungsziele (SDG) beurteilen“ einen Beitrag zum medienbildnerischen Bereich „Kommunikation und Kooperation“ (S. 29).


Im Teilsystem „Natur und Kulturräume“ wird mit der Kompetenz „Zusammenhänge zwischen naturräumlicher Ausstattung und menschlicher Nutzung sowie Vorteile einer nachhaltigen Nutzung an einem Raumbeispiel aus den Tropen oder den Trockenräumen oder den Polarräumen herausarbeiten“ (S. 31) die Leitperspektive Medienbildung gestützt. Die geforderten Inhalte können in Form eines Medienprodukts (z.B. eine digitale Präsentation) zusammengestellt und von den Lernenden vor der Klasse vorgestellt werden.

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Klasse 10

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Im Vergleich zu den vorherigen Klassenstufen findet sich in den inhaltsbezogenen Kompetenzen von Klasse 10 im Bildungsplan 2016 lediglich eine Nennung der Leitperspektive MB: So werden die medienbildnerischen Fähigkeiten aus den zuvor durchlaufenen Klassen im Bereich „Digitale Orientierung“ aus dem „Teilsystem Erdoberfläche“ aufgegriffen und angewandt, indem die Schülerinnen und Schüler „mithilfe von Informationen aus der Fernerkundung und aus Web-GIS Räume analysieren ([…]Web-GIS)“ können (S. 32).


Insgesamt liegt der Schwerpunkt der medienbildnerischen Anwendungsbereiche im Fach Geographie der Sekundarstufe I vor allem im Bereich „Information und Wissen“, indem die Erarbeitung der fachlichen Inhalte oft gestützt von digitalen Medien erfolgen kann.

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Unterrichtsmodul: WebQuest Malta

Fächerverbund Erdkunde, Wirtschaftskunde, Gemeinschaftskunde/Bilingualer Unterricht, Klasse 6, RS: In diesem bilingualen Modul erkunden die Jugendlichen medial die englischsprachige Mittelmeerinsel Malta.weiterlesen

Unterrichtsmodul: Luftbild und Karte

Geografie, Klasse 6, GY/WRS/RS: Im LMZ-GeoPortal können Schülerinnen und Schüler parallel mit einer Luftbild- und einer Kartendarstellung ihres Schulorts arbeiten, sie beschreiben und vergleichen.weiterlesen

Unterrichtsidee: Geocaching – Orientierung mit GPS

Geografie, Klasse 6–13, HS/WRS/RS/GY: Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit GeoCaching und erlernen dadurch den Umgang mit GPS-Navigation.weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis