Geographie – Gymnasium – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Geographie im Gymnasium vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf den Bildungsplan 2004 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Im Bildungsplan 2004 sind für den Geographieunterricht des Gymnasiums bereits erste Ansätze für eine Integration der Medienbildung zu finden. Die Kompetenzen des Faches Geographie sind dem Fächerverbund Geographie - Wirtschaft – Gemeinschaftskunde (kurz GWG) zugeordnet. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird die „Medienkompetenz“ explizit genannt und wie folgt aufgegriffen:

 

  • „Die Förderung […] von praxisnaher Wissensanwendung in unterschiedlichen Kontexten, von Methoden- und Medienkompetenz tragen zur Gesamtqualifikation der Schülerinnen und Schüler bei“ (BP 2004, Gym, GWG, S. 238).
  • „In der Oberstufe sollen die Schülerinnen und Schüler in der Lage sein, […] eine den Problemstellungen angemessene Methoden- und Medienauswahl zu treffen“ (S. 239).
  • „Die notwendige Bandbreite der Arbeitsweisen und Arbeitstechniken verdeutlichen folgende Anforderungen:
    • Grundlegende Fertigkeiten in der Anwendung und Interpretation von Karten und anderen Hilfsmitteln, um sich räumlich orientieren zu können (auch GPS);
    • […] Fertigkeiten im reflektieren Umgang mit modernen Informations- und Kommunikationstechniken (Internet, Geographische Informationssysteme), um geographisch relevante Informationen zielgerichtet und themenbezogen gewinnen, verarbeiten, dokumentieren , präsentieren und beurteilen zu können;
    • […] Fähigkeiten zum Einbringen von Medien und Methoden beim interdisziplinären Arbeiten, um Situationen aus geographischer Sicht mehrperspektivisch wahrnehmen und differenzierte Lösungsansätze finden zu können“ (S. 239).


Auch unter „Kompetenzen und Inhalte“ werden für den Geographieunterricht medienbildnerische Aspekte thematisiert. Der arbeitsorientierte Umgang mit Medien jeglicher Art ist dabei ein zentrales Thema. Es bezieht sich konkret auf die Bereiche Computergestützte Präsentation, Arbeiten mit (GIS-Systemen) und multimedialen Computerprogrammen.


Die Bereiche der Medienbildung, die im Bildungsplan 2016 mit „Produktion und Präsentation“, „Kommunikation und Kooperation“, „Mediengesellschaft und Analyse“ und „Informationstechnische Grundlagen“ benannt sind, sind somit bereits in Teilen im Bildungsplan 2004 enthalten. Eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg ist also für den Geographieunterricht vergleichsweise einfach umzusetzen.

Medienkompetenz und Medienbildung im Geographieunterricht ab 2016

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In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird im Bildungsplan 2016 die Medienbildung  für das Gymnasium im „Beitrag des Faches zu den Leitperspektiven“ folgendermaßen thematisiert: „Kritische Medienanalysen, die Reflexion sowie die Kommunikation von Information und Wissen sind zentraler Bestandteil des Geographieunterrichts. Dazu gehören auch die Produktion von Medien zu geographischen Sachverhalten und deren Präsentation. Darüber hinaus werden informationstechnische Grundlagen entwickelt“ (BP 2016, Gym, Geographie, S. 6).

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

Im Bereich der prozessbezogenen Kompetenzen sollen die Schülerinnen und Schüler „die Fähigkeit [erwerben], geographische Sachverhalte mithilfe geeigneter Medien darzustellen“ (S. 7). „Ihr Interesse und ihre Kreativität, aber auch ihre kritische Offenheit gegenüber neuen geographischen, auch technikgestützten Medien und Methoden ist ebenso ausgeprägt, wie ihre Bereitschaft, diese weiter zu entwickeln“ (ebd.).

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Im Bildungsplan 2016 wird die Medienbildung im Kontext aller Teilsysteme des Geographieunterrichts explizit aufgegriffen.
Diese sind:

(1)    Teilsystem Erdoberfläche
(2)    Teilsystem Wetter und Klima
(3)    Teilsystem Wirtschaft
(4)    Teilsystem Gesellschaft
(5)    Natur- und Kulturräume

Klassen 5/6

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Im Geographieunterricht der Klassen 5 und 6 soll die Medienbildung im „Teilsystem Erdoberfläche“ im Bereich der „Grundlagen der Orientierung“ integriert werden, um „Lage, Größe und Form der Kontinente und Ozeane dar[zu]stellen“, „die politische Gliederung Deutschlands und Europas [zu] beschreiben“ und „die Nutzung analoger und digitaler Hilfsmittel zur Orientierung dar[zu]stellen (digitale Karte, […] Navigationssystem, GPS)“ (S. 14).


Das „Teilsystem Wetter und Klima“ liefert einen Beitrag zum Bereich „Produktion und Präsentation mit folgender Kompetenz: Die Schülerinnen und Schüler können „anhand von einfachen Versuchen zwei Wetterelemente analysieren“ (S. 16). Ein bekanntes Beispiel für einen solchen Versuch ist die Entstehung von Wolken in einem Gefäß mit heißen Wasser und einem Kühlbeutel als Deckel. Dieser Versuch kann auch mediengestützt erfolgen, so z.B. mit entsprechenden Fotos und Animationen.


Folgende Kompetenzen sind im „Teilsystem Wirtschaft“ aufgeführt: Die Schülerinnen und Schüler können „anhand eines Betriebsbeispiels den Zusammenhang von landwirtschaftlicher Produktion, naturräumlicher Ausstattung und Markt erläutern“ und „anhand eines Industriestandorts Voraussetzungen und Auswirkungen industrieller Produktion erläutern“ (S. 18). Entsprechende Informationen können beispielsweise mit Hilfe einer Internetrecherche gewonnen werden.


Einen weiteren Beitrag zur Medienbildung liefert die Kompetenz der Schülerinnen und Schüler, „Zusammenhänge zwischen naturräumlicher Ausstattung und menschlicher Nutzung an folgenden Raumbeispielen erklären sowie an mindestens einem Raumbeispiel Vorteile einer nachhaltigen Nutzung altersgemäß beurteilen […]“ (S. 19) zu können. Dies soll über die Produktion und Präsentation eines Medienprodukts wie z.B. einer digitalen Präsentation geschehen.

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Klassen 7/8

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Im Bereich „Phänomene des Klimawandels“ sollen die Lernenden „den natürlichen und den anthropogen verstärkten Treibhauseffekt in Grundzügen darstellen“ und „globale Auswirkungen des Klimawandels im Überblick erläutern“ (S. 22). Auch hier stehen erneut die Informationsrecherche im Netz und das Aufbereiten in Form eines Medienprodukts im Fokus.
Im Teilsystem „Natur und Kulturräume“ wird mit der Kompetenz „Zusammenhänge zwischen naturräumlicher Ausstattung und menschlicher Nutzung sowie Vorteile einer nachhaltigen Nutzung an mindestens einem Raumbeispiel aus den Tropen oder den Trockenräumen oder den Polarräumen darstellen“ (S. 24) erneut der Bereich „Produktion und Präsentation“ gefördert.

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Klassen 9/10

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Im Geographieunterricht der Klassen 9 und 10 soll die Medienbildung im „Teilsystem Erdoberfläche“ im Bereich „Grundlagen der Orientierung“ integriert werden, um „mithilfe von Informationen aus der Fernerkundung und aus Web-GIS Räume [zu] analysieren“ (S. 33). Bei der Arbeit am Bereich „Endogene und exogene Prozesse“ können die Schülerinnen und Schüler „die innere Struktur der Erde darstellen“ (S. 34), „plattentektonische Prozesse und deren Auswirkungen erklären“ (ebd.) und „den Kreislauf der Gesteine ausgehend von regionalen Beispielen erläutern“ (ebd.). Erneut werden hier die medienbildnerischen Bereiche „Information und Wissen“ sowie „Produktion und Präsentation“ aufgegriffen, indem z.B. ein Medienprodukt ausgehend von einer Internetrecherche erstellt wird.


Im „Teilsystem Wirtschaft“, Bereich „Globale Herausforderungen: Ressourcenverfügbarkeit und Ressourcenmanagement“, welcher vollumfänglich in Klasse 10 zu verorten ist, können die Schülerinnen und Schüler die „Verfügbarkeit von Süßwasser, agrarisch nutzbarer Böden sowie eines ausgewählten metallischen, mineralischen, agrarischen Rohstoffs oder Energie-stoffs im weltweiten Überblick erläutern“ (S. 26). Dies kann z.B. durch den Vergleich von Satellitenbildern geschehen.

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Klassen 11/12

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Sowohl im zweistündigen Kurs als auch im vierstündigen Kurs findet eine Verknüpfung mit den identischen Bereichen der Leitperspektive Medienbildung statt, weshalb diese hier gemeinsam aufgeführt werden.


Die Schülerinnen und Schüler können „Ursachen und Dimensionen des Klimawandels auf der Grundlage aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse erläutern“ (S. 30/39). Diese Kompetenz ist dem Bereich „Information und Wissen“ zugewiesen und greift damit erneut insbesondere die Informationsrecherche und -verarbeitung auf.


Bezug nehmend auf die medienbildnerischen Bereiche „Information und Wissen“ sowie „Kommunikation und Kooperation“ wird im Themenfeld „Globale Herausforderungen: Disparitäre Entwicklungen“ die Kompetenz „eigene Handlungsmöglichkeiten im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit anhand eines Projekts überprüfen“ (S. 31/41) aufgeführt.


Insgesamt liegt der Schwerpunkt der medienbildnerischen Anwendungsbereiche im Fach Geographie des Gymnasiums vor allem in den Bereichen „Information und Wissen“ und „Produktion und Präsentation“, indem die Erarbeitung der fachlichen Inhalte oftmals gestützt von digitalen Medien erfolgt und anschließend ein digitales Medienprodukt erstellt werden kann.

Ausgewählte Praxisbeispiele

Unterrichtsmodul: Luftbild und Karte

Geografie, Klasse 6, GY/WRS/RS: Im LMZ-GeoPortal können Schülerinnen und Schüler parallel mit einer Luftbild- und einer Kartendarstellung ihres Schulorts arbeiten, sie beschreiben und vergleichen.weiterlesen

Unterrichtsidee: Geocaching – Orientierung mit GPS

Geografie, Klasse 6–13, HS/WRS/RS/GY: Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit GeoCaching und erlernen dadurch den Umgang mit GPS-Navigation.weiterlesen

Unterrichtsmodul: Jahreszeiten im Satellitenbild

Geographie, Klasse 8–10, GY: Vierzehn Schwarzweiß-Aufnahmen, aufgenommen von einem geostationären Satelliten, gilt es in eine begründete zeitliche Abfolge zu bringen.weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis