Französisch – Sekundarstufe I – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Französisch in der Sekundarstufe I als erste Fremdsprache vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf die Bildungspläne 2004 und 2012 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Im Bildungsplan 2004 sind für den Französischunterricht der Realschule erste Ansätze für eine Integration der Medienbildung zu finden. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird die „Medienkompetenz“ als eigene Kompetenz zwar nicht aufgeführt, jedoch wird der „Einsatz moderner Medien und das „Lernen mit Medien“ als „unverzichtbarer Bestandteil im Fremdsprachenerwerb“ beschrieben (BP 2004, RS Französisch, S. 84). Das Fach Französisch liefert nach den Vorgaben des BP 2004 einen Beitrag zur informationstechnischen Grundbildung, „indem bei der Unterrichtsgestaltung der Einsatz moderner Medien als Bildungsgut und als Bildungsvoraussetzung angestrebt wird“ (S. 84). Auch unter „Kompetenzen und Inhalte“ werden für den Französischunterricht medienbildnerische Aspekte in der Rubrik „Medienkompetenz und Präsentation“ erwähnt, so die Internetrecherche, die Nutzung computergestützter Lernhilfen, das Präsentieren mit Medien und das Schreiben von E-Mails.
Im Bildungsplan 2012 sind für den Französischunterricht der Hauptschule bzw. Werkrealschule ebenfalls erste Ansätze für eine Integration der Medienbildung zu finden. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird die „Medienkompetenz“ als eigene Kompetenz nicht aufgegriffen, jedoch hat das Fach Französisch auch hier den Auftrag, „einen Beitrag zur Informationstechnischen Grundbildung“ zu leisten (BP 2012, WRS Französisch S. 82). Auch unter „Kompetenzen und Inhalte“ werden für den Französischunterricht medienbildnerische Aspekte wie die Internetrecherche, die Nutzung computergestützter Lernhilfen, das Präsentieren mit Medien und das Schreiben von E-Mails thematisiert.

Die Bereiche der Medienbildung, die im Bildungsplan 2016 mit „Produktion und Präsentation“, „Kommunikation und Kooperation“, „Mediengesellschaft und Analyse“ und „Informationstechnische Grundlagen“ benannt sind, müssen noch stärker als bisher in den Französischunterricht der Sekundarstufe I integriert werden. Hinsichtlich einer spiralcurricularen Verankerung der Medienbildung über alle Klassenstufen hinweg wurden für den Französischunterricht jedoch bereits erste Grundlagen geschaffen.

Medienkompetenz und Medienbildung im Französischunterricht ab 2016

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In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird der Leitperspektive Medienbildung im Bildungsplan 2016 ein wichtiger Stellenwert eingeräumt (BP 2016, Sek I, Französisch, ab S. 3), denn diese spielt eine wichtige und unterstützende Rolle für den Spracherwerb. Der Bildungsplan 2016 weist für die weiterführende Schule nahezu alle Felder der Medienbildung aus: „Produktion und Präsentation“, „Information und Wissen“, „Kommunikation und Kooperation“ und „Mediengesellschaft- und -analyse“. Einen besonderen Stellenwert hat ebenso wie im Englischunterricht die fremdsprachenspezifische „Text- und Medienkompetenz“, in der die Medienbildung in den Fremdsprachen in den Klassen 5 bis 10 spiralcurricular verankert ist. Darüber hinaus verbindet das zur Leitperspektive Verbraucherbildung gehörende Feld „Medien als Einflussfaktoren“ Verbraucher- und Medienbildung im Sinne des Lernens über Medien.

 

Übergeordnetes Ziel des modernen Fremdsprachenunterrichts ist „die Ausbildung der interkulturellen kommunikativen Kompetenz“ (S. 4). Dem Erreichen dieses Ziels ist eben die Ausbildung der bereits erwähnten inhaltsbezogenen „Text- und Medienkompetenz“ zuträglich. Text- und Medienkompetenz bedeutet, dass „die Lernenden [...] die Fähigkeit erwerben, Texte zu strukturieren und zu analysieren, sie zu reflektieren und zu bewerten beziehungsweise neu zu gestalten“ (S. 5). Dem zugrunde liegt hier ein erweiterter Textbegriff: Als Texte werden „alle mündlichen, schriftlichen und visuellen Produkte in ihrem jeweiligen kulturellen und medialen Kontext verstanden, die analog und digital vermittelt werden.“ (S. 5). Die Schüler/-innen sollen zudem im Internet zielgerichtet recherchieren, Informationen auswerten und Texte „kritisch zu ihrem medialen Umfeld in Beziehung […] setzen.“ (S. 5). Erwähnt wird zudem die Möglichkeit, frankophonen Sprechern auf Basis digitaler Medienplattformen zu begegnen, wie „zum Beispiel eTwinning“ (S. 8) (Initiative der Europäischen Kommission zur Vernetzung von Schulen). Der Einsatz digitaler Medien dient folglich dazu, rezeptive, produktive und damit letztendlich sprachliche Kompetenzen „individualisierend und binnendifferenziert“ zu festigen (S. 9).

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

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Die prozessbezogenen Kompetenzen im Fach Französisch gliedern sich in (1) Sprachbewusstsein und (2) Sprachlernkompetenz, wobei nur letztere die Medienbildung explizit thematisiert. So sollen Medien „Begegnungen mit der Fremdsprache“ ermöglichen und der „zielgerichtet[e] und weitgehend eigenständig[e]“ Einsatz digitaler Hilfsmittel zur Erweiterung der sprachlichen Kompetenz der Schüler/-innen seinen Beitrag leisten (S. 13).

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Die Standards für inhaltsbezogene Kompetenzen im Bildungsplan 2016 für das Fach Französisch umfassen folgende Kompetenzbereiche:

  • Soziokulturelles Orientierungswissen/Themen
  • Interkulturelle kommunikative Kompetenz
  • Funktionale kommunikative Kompetenz mit den Teilbereichen

o    Hör-/Hörsehverstehen
o    Leseverstehen
o    Sprechen
o    Schreiben
o    Sprachmittlung
o    Verfügen über sprachliche Mittel

  • Text- und Medienkompetenz

 

Die Medienbildung (MB) ist explizit in allen Niveaustufen (G/M/E), aber auch in allen Klassenstufen vorrangig in der „Text- und Medienkompetenz“ verankert, darüber hinaus aber auch in den Kompetenzbereichen „Sprechen – zusammenhängendes monologisches Sprechen“ und  „Schreiben“. Entscheidend für die Differenzierung auf den einzelnen Klassenstufen sind die Arbeitsaufträge und Hilfestellungen, die vor allem Schülerinnen und Schüler der Niveaustufe G erhalten.  Des Weiteren bleiben die klassischen Domänen des Fremdsprachunterrichts wie die Entwicklung des Hör-/Hörsehverstehen mit „authentischen Hör-/Hörsehtexten“ bzw. Clips, Kurzfilmen und Filmsequenzen im Bildungsplan 2016 im Bereich „Funktionale kommunikative Kompetenz“ erhalten und werden ebenfalls spiralcurricular ausgebaut, ohne immer explizit als Leitperspektive Medienbildung ausgewiesen zu sein. Damit wird auch der Filmbildung im Fach Französisch ein großer Stellenwert eingeräumt.

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Klassen 5/6

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In den ersten beiden Jahren der Sekundarstufe I werden wichtige Grundlagen für den Erwerb der französischen Sprache und Kultur erlernt. Entsprechend werden in den „Standards für inhaltsbezogene Kompetenzen“ im Fach Französisch in den Klassen 5/6 sowohl das Lernen mit Medien als auch das Lernen über Medien berücksichtigt, allerdings vorrangig in den klassischen Domänen des Fremdsprachenunterrichtes. Dies geschieht im Rahmen der „funktionale[n], kommunikative[n] Kompetenz“, in den Bereichen „Hör-/Hörsehverstehen“ (Verständnis medial vermittelter Gespräche bzw. Hör-/Hörsehtexte, S. 16) und „Schreiben“ (Bsp. E-Mails als kurze Korrespondenz) auf allen Niveaustufen (S. 21). Zudem sollen die Schülerinnen und Schüler in der Lage sein, „visuelle und auditive Hilfen gegebenenfalls unter Anleitung zur Aussprach [zu] nutzen (z.B. Tonträger)“ (S. 28).

 

In Klasse 5/6 spielt der medienbildnerische Bereich „Kommunikation und Kooperation“ im Rahmen des Text- und Medienkompetenzerwerbs erst auf der Niveaustufe E eine wichtige Rolle: Die Schülerinnen und Schüler sollen in der Lage sein „ausgewählte Medien – auch digitale – u.a. zur Kommunikation [zu] nutzen.“ (S. 28 f.).
Empfehlenswert ist es, die Möglichkeiten des (digitalen) Medieneinsatzes bereits in der Orientierungsstufe auf allen Niveaustufen zu nutzen. Die Nähe zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler wirkt sich motivierend aus und Medien bieten viele Sprech- und Schreibanlässe.

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Klassen 7/8/9

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In den Klassen 7/8 und 9 sollen die Schüler im Kompetenzbereich „Sprechen“ „ein vertrautes Thema in Grundzügen unter Verwendung einfacher Vortrags- und Präsentationsstrategien darstellen“ (S. 38), was dem medienbildnerischen Bereich „Produktion und Präsentation“ entspricht. Im Kompetenzbereich „Schreiben“ sollen die Schülerinnen und Schüler auf allen drei Niveaustufen „Hilfsmittel – auch digitale – zum Verfassen und Überarbeiten von eigenen Texten verwenden (u.a. digitale Nachschlagewerke)“ (S. 41). Im Bereich „Text- und Medienkompetenz wird die Medienbildung in allen zuvor erwähnten Kompetenzbereichen berücksichtigt; insofern als dass auf allen Niveaustufen das Lernen über und mit Medien fest-geschrieben ist: So sollen die Schülerinnen und Schüler nicht nur „Arbeitsergebnisse mit geeigneten Medien – auch digitalen – gestalten und auf einfache Weise präsentieren“ (S. 50), sondern beispielsweise mit Filmausschnitten lernen, „gehörte und gesehene Informationen aufeinander [zu] beziehen und in ihrem Zusammenhang zu verstehen“ sowie „ausgewählte Medien – auch digitale – sowie […] die durch sie vermittelten Inhalte [zu] nutzen“ (S. 50). Beides erfolgt je nach Niveaustufe mit mehr oder weniger Hilfestellung.

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Klasse 10

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In Klasse 10 gewinnt die Medienanalyse vor allem im Bereich „Text- und Medienkompetenz“ weiter an Bedeutung und wird komplexer (S. 70). Beim Analysieren und Kommentieren der Wirkungsweise von Texten, die in Abhängigkeit von ihrem jeweiligen Medium verstanden werden, wird auch ebenso wie im Fach Englisch die Verbraucherbildung unter dem Stichwort „Medien als Einflussfaktoren“ reflektiert. So sollen „einfache sprachliche, optische und akustische Gestaltungsmittel“ benannt werden und auf Niveau E auch „gegebenenfalls mit Unterstützung ihre Wirkung [erklärt werden können] (z.B. Werbung)“ (S. 71). „Text und Medienkompetenz“ verlangt in medienbildnerischer Hinsicht auch, dass die Schülerinnen und Schüler in die Lage versetzt werden, digitale Medien „sowie die durch sie vermittelten Inhalte“ „gegebenenfalls mit Unterstützung“ (G) zu nutzen, aber auch „zunehmend kritisch [zu] kommentieren“ (M, E) (S. 72).
Im Sinne des Hör- /Hörsehverstehens werden auch medial vermittelte Gespräche (z.B. Clips, Kurzfilme) über alltägliche oder auch berufsbezogene Themen in ihren „zentralen Aussagen“ und auf Niveaustufe E auch in Bezug auf Einzelinformationen verstanden (S. 70). Die Filmbildung wird in diesem Abschnitt des Bildungsplanes in Klasse 10 in spiralcurricularer Hinsicht erneut aufgegriffen: Die Schülerinnen und Schüler sollen in der Lage sein, „authentischen Filmsequenzen [zu] folgen, deren Handlung im Wesentlichen durch Bild und Aktion getragen wird und deren Sprache klar und einfach ist.“ (S. 53).


In den Kompetenzbereichen „Sprechen“  und „Schreiben“ sollen die in den Klassenstufen 7/8/9 verankerten medienbildnerischen Kompetenzen weitergeführt werden. Je nach Niveaustufe werden die Anforderungen an die Schüler/-innen dabei komplexer. So sollen beispielsweise Themen nicht nur unter Verwendung von Vortrags- und Präsentationstechniken dargestellt, sondern auch „einfache Fragen dazu“ (M) beantwortet werden können (S. 60).

Zusammenfassend lässt sich für das Fach Französisch in der Sekundarstufe I festhalten, dass das Fach auf vielfältige Weise zu einem „sichere[n], kritische[n] und verantwortungsvolle[n] Umgang mit Medien“ und damit zur Umsetzung der Leitperspektive Medienbildung beiträgt (S. 7).

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Unterrichtsmodul: Café et Cigarette – Gedichtinterpretation multimedial

Französisch, Klasse 10–13, GY/RS: Über das Nachspielen und das digitale Aufnehmen von Schlüsselszenen finden die Jugendlichen Zugang zu einem französischsprachigen Gedicht.weiterlesen

Unterrichtsmodul: Dans Paris, à vélo…

Französisch, Klasse 10, RS/WRS/GY: Unternommen wird eine virtuelle Stadtbesichtigung zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten der französischen Hauptstadt, wobei das Fahrrad das Fortbewegungsmittel ist.weiterlesen

Unterrichtsmodul: Les Antilles françaises

Französisch, Klasse 10, RS/GY: Thema sind die französischen Antillen am Beispiel von Guadeloupe aus heutiger Sicht und ihre Vorgeschichte als ehemalige Kolonie Frankreichs.weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis