Deutsch – Grundschule – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Deutsch in der Grundschule vorsieht.

Ausgewählte Praxisbeispiele samt Materialien für Ihren Unterricht in diesem Bereich befinden sich am Ende des Beitrags. Zahlreiche weitere Materialien, wertvolle Tipps und direkt umsetzbare Unterrichtsideen finden Sie links im Menü unter Pädagogische Praxis.

Rückblick auf den Bildungsplan 2004 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Im Bildungsplan 2004 sind für den Deutschunterricht der Grundschule bereits erste Ansätze für eine Integration der Medienbildung zu finden. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird darauf hingewiesen, dass Medien selbst zum Unterrichtsgegenstand werden und der Deutschunterricht dabei helfen soll, „die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu entwickeln“ (BP 2004, GS, Deutsch, S. 44). Medien als Mittel der Informationsgewinnung sollen ebenfalls im Deutschunterricht behandelt werden. Aus den „Kompetenzen und Inhalten“ geht jedoch hervor, dass sich die Schülerinnen und Schüler erst in Klasse 3 und 4 mit den verschiedenen – eher analogen – Medien wie zum Beispiel Büchern, Zeitschriften, Hörkassetten und Filmen auseinandersetzen.


Die Medienbildung muss folglich noch stärker als bisher in den Deutschunterricht der Grundschule integriert werden, damit eine spiralcurriculare Verankerung der Medienbildung bereits in der Grundschule beginnen kann. Auch digitale Medien, die heutzutage immer mehr unser gesellschaftliches Leben bestimmen, sollten in der Grundschule vermehrt Beachtung finden. Der Bildungsplan 2016 nimmt genau dies für den Deutschunterricht in Angriff und das Fach Deutsch leistet insgesamt einen wesentlichen Beitrag, um die Leitperspektive Medienbildung fächerintegrativ umzusetzen.

Medienkompetenz und Medienbildung im Deutschunterricht ab 2016

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In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird im Bildungsplan 2016 bereits auf die vielfältige Medienwelt verwiesen, in der Kinder heutzutage aufwachsen. Für den Deutschunterricht ist es daher wichtig, „die Medienerfahrungen der Kinder in den Unterricht mit einzubeziehen und ihre Medienkompetenz zu entwickeln und zu stärken“ (BP 2016, GS, Deutsch, S. 3).


Der Deutschunterricht nimmt „in vielfältiger Weise Teilaspekte der ,Medienbildung‘“ auf (S. 4). Medien werden im Deutschunterricht zur Informationsbeschaffung, Wissensvermittlung, Textproduktion und für Präsentationen eingesetzt. Ziel ist, dass „die Kinder Medien bewusster in ihre Lebensgestaltung integrieren können“ (S. 4). Hierfür wird der Umgang mit Medien im Deutschunterricht eingeübt und reflektiert.


Jeder der fünf Kompetenzbereiche des Deutschunterrichts – „Sprechen und Zuhören“, „Schreiben“, „Lesen“, „Mit Texten und Medien umgehen“, „Sprache und Sprachgebrauch untersuchen“ – trägt auf seine Weise dazu bei, dass die Schülerinnen und Schüler medienbildnerische Kompetenzen erwerben. So bieten zum Beispiel Medieninhalte und Medienerfahrungen wertvolle Gesprächsanlässe. Möglichkeiten der elektronischen Textverarbeitung können die Schülerinnen und Schüler beim Schreiben unterstützen, indem zum Beispiel Rechtschreibprogramme überlegt zur Textüberarbeitung eingesetzt werden. In einem medienintegrativen Deutschunterricht wird zudem dem Bildungsplan zufolge auch das Leseinteresse weiter ausgebaut und die Medienkompetenz der Kinder weiterentwickelt, indem zum Beispiel Filme, Hörspiele, Bildmaterial, CDs und DVDs in den Unterricht einbezogen werden. Der Einsatz von Hörbüchern entlastet Kinder, die noch keine ausgeprägte Lesekompetenz aufweisen (S. 5 ff.).


Der inhaltsbezogene Kompetenzbereich „Mit Texten und Medien umgehen“ beinhaltet ebenfalls zahlreiche medienbildnerische Aspekte. So können zum Beispiel ausgewählte Materialien und Medien dazu beitragen, dass die Lesefähigkeit und das Leseverstehen ausgebaut und Texterschließungsstrategien gefördert werden. Leseerfahrungen können dokumentiert und Präsentationen adressatenorientiert gestaltet und dargeboten werden. Der Deutschunterricht hilft in diesem Kontext, „die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler zu entwickeln“ (S. 8).


Hierfür werden Medien selbst Gegenstand des Deutschunterrichts: Die Schülerinnen und Schüler lernen, wie sie nicht allein mit Printmedien, sondern auch mit Hörbüchern, Literaturverfilmungen, literarischen CDs, dem Computer, bestimmter Software und dem Internet selbstverständlich und reflektiert umgehen können. Indem sie Erzählungen in Literatur und Medien vergleichen, vertiefen sie zudem ihre Einsicht in Textsorten und Erzählstrukturen. Filmausschnitte und andere bildliche Darstellungen fördern die Bildlesekompetenz der Kinder (S. 8).

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

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Die Medienbildung in der Grundschule ist als Leitperspektive in viele Bereiche des Deutschunterrichts integriert. Bereits in den prozessbezogenen Kompetenzen wird unter „Sprechen und Zuhören“ als Kompetenz angeführt, dass die Schülerinnen und Schüler die „Medien für den Austausch nutzen und bewusst wählen“ (S. 10). In diesem Kontext begegnen sie Medien als einem Mittel der Alltagskommunikation.


Im Bereich „Schreiben“ setzen die Schülerinnen und Schüler auch elektronische Medien – wenn vorhanden – als Schreibwerkzeuge ein, um zum Beispiel einen Text zu strukturieren und zu gliedern. Sie lernen außerdem, sich im Schriftwechsel mit Mailpartnern auszutauschen, und gebrauchen hierbei Rechtschreibprogramme elektronischer Medien als Korrekturhilfe (S. 11).


Die Schülerinnen und Schüler entwickeln unter dem Kompetenzbereich „Lesen“ im Laufe ihrer Grundschulzeit „die Fähigkeiten, mit verschiedenen Medien bewusst umzugehen“ (S. 12), und können verschiedene Medien einsetzen, um Texte zu präsentieren.

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Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Anhand der inhaltsbezogenen Kompetenzen wird ebenfalls deutlich, dass die Medienbildung im Fach Deutsch bereits für die Grundschule in vielen Bereichen verankert ist. Steht in den Klassen 1 und 2 zumeist noch das Lernen mit Medien im Vordergrund, werden die (digitalen) Medien in den Klassen 3 und 4 immer mehr zum Unterrichtsgegenstand. D.h., dem Lernen über Medien – also dem Verständnis über die Wirkungsweisen der Medien – wird ein größerer Stellenwert eingeräumt.

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Klassen 1/2

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In den Klassenstufen 1 und 2 werden (digitale) Medien überwiegend als Werkzeug im Unterricht eingesetzt. Da jedoch nicht jede Grundschule medientechnisch optimal ausgestattet ist, ist im Bildungsplan oftmals der Zusatz – gerade in Bezug auf die Computernutzung – „wenn vorhanden“ zu finden.


Um Texte zu verfassen, nutzen die Schülerinnen und Schüler verschiedene Medien – dem Schreibanlass entsprechend. Um die Lesefähigkeit und -erfahrung zu trainieren, verwenden sie Lernprogramme und Lernsoftware oder tauschen elektronische Nachrichten über die Postboxfunktion bei Leseportal aus (S. 17).


Sie gestalten erste Präsentationen mit unterschiedlichen Medien, zum Beispiel für eine Buchvorstellung (S. 19). Die Kriterien für eine gelungene Präsentation werden hierbei am besten gemeinsam mit den Kindern im Unterricht erarbeitet.


Die Schülerinnen und Schüler begegnen Medien jedoch nicht allein als Unterrichtsmedium, sondern in Grundzügen auch als Unterrichtsgegenstand: Sie verschaffen sich zum Beispiel im Deutschunterricht erste Eindrücke von der Vielfältigkeit der aktuellen Medienlandschaft und beschreiben eigene Medienerfahrungen (S. 18).

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Klassen 3/4

In den Klassenstufen 3 und 4 werden (digitale) Medien ebenfalls als Werkzeug im Unterricht eingesetzt. Um Texte zu überarbeiten, nutzen die Schülerinnen und Schüler u.a. die Rechtschreibprüfung am Computer. Werden selbst erstellte Texte zum Beispiel auf einem Blog oder einer Homepage präsentiert, werden für die Kinder konkrete Anlässe geschaffen, Texte zu verfassen (S. 26).


Ihre Lesefähigkeit erweitern die Schülerinnen und Schüler, indem sie Lernprogramme – auch online basierte Lernsoftware – gezielt einsetzen. Sie tauschen sich über ihr eigenes Leseinteresse mit anderen aus, zum Beispiel über ein Online-Leseportal. Sie können Beiträge aus verschiedenen Medien wie zum Beispiel Zeitungen, Zeitschriften, Hörfunk, Fernsehen, Theater, Ton- und Bildträger sowie dem Internet begründet auswählen und gezielt nutzen (S. 31).


Die Produktions- und Präsentationskompetenz der Schülerinnen und Schüler wird ebenfalls geschult, indem sie Texte und Lyrik in eine andere mediale Form bringen, wie zum Beispiel in einen Film, ein Bild oder ein Hörspiel (S. 32). Zudem lernen sie unterschiedliche Präsentationsformen im Deutschunterricht kennen und erfahren, wie sie diese adressaten-, inhalts- und situationsgerecht anwenden können. Auch die Informationskompetenz wird trainiert, indem sie Informationen in elektronischen Medien suchen und hierbei erste Kriterien an die Hand bekommen, wie sie Informationen sinnvoll auswählen (S. 32).


Analog zur Klassenstufe 1 und 2 begegnen die Schülerinnen und Schüler (digitalen) Medien auch als Unterrichtsgegenstand. Sie erschließen sich in Grundzügen die Vielfalt der aktuellen Medien, wie zum Beispiel Printmedien, Filme, Videoclips, Hörbücher, Hörspiele, Radio, TV, Computer, Internet-Hypertexte, und erweitern hierdurch u.a. ihr Leseverstehen. Sie beschreiben und reflektieren eigene Medienerfahrungen und können sich dazu äußern, in welcher Hinsicht Medien im Alltag nützlich sind (S. 32). In diesem Kontext sollten auch die Gefahren, die von Medien unter Umständen ausgehen können, im Unterricht thematisiert werden.


Der Deutschlehrer sollte bereits in der Grundschule die Erfahrungen, die Kinder in ihrem Alltag mit Medien gemacht haben, in den Unterricht mit einbeziehen. Hierfür können die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel die verschiedenen elektronischen Kommunikationsformen wie E-Mail, SMS, Skype oder Chatrooms kritisch untersuchen und reflektieren. Dabei kann mit den Kindern auch besprochen werden, wie sie bedacht mit ihren persönliche Daten umgehen und sich vor übergriffigen Anfragen schützen können. Zudem setzen sie sich damit auseinander, welcher Wortschatz in Abhängigkeit vom jeweiligen (digitalen) Kommunikationsmedium angemessen ist (S. 34).


Dadurch, dass sich die Schülerinnen und Schüler im Deutschunterricht der Grundschule sowohl mit (digitalen) Medien als Lernmedium als auch als Lerngegenstand auseinandersetzen, kann in den weiterführenden Schulen auf einer grundlegenden Medienbildungskompetenz aufgebaut werden.

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Unterrichtsmodul: Wir machen einen Trickfilm

Deutsch/Sachunterricht, Klasse 2, GS: Schritt für Schritt wird eingeübt, wie ein Trickfilm erstellt wird. Trickfilme eignen sich dazu, einen Lösungsweg darzustellen, ein Lied zu illustrieren oder eine Geschichte zu erzählen.weiterlesen

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Deutsch, Klasse 3–4, GS: Kinder im Grundschulalter halten die Rechtschreibprüfung von Textverarbeitungsprogrammen wie Microsoft Word oft für unfehlbar. In dieser kleinen Unterrichtseinheit werden die Kinder angeregt, die Rechtschreibprüfung zu hinterfragen. weiterlesen

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