Biologie – Sekundarstufe I – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Biologie in der Sekundarstufe I vorsieht.

Rückblick auf die Bildungspläne 2004 und 2012 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Im Bildungsplan 2004 sind für das Fach Biologie in der Realschule bereits erste Ansätze für eine Integration der Medienbildung zu finden. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ wird die „Medienkompetenz“ als eigene Kompetenz zwar nicht explizit aufgeführt, aber es wird darauf verwiesen, dass „der Einsatz des PCs als Werkzeug zum Wissenserwerb, zum Dokumentieren und zum Präsentieren […] beim Naturwissenschaftlichen Arbeiten eine Selbstverständlichkeit“ darstellt. (BP Realschule 2004, NWA, S. 96).

Unter „Kompetenzen und Inhalte“ werden für den Biologieunterricht medienbildnerische Aspekte in Ansätzen thematisiert. Als Kompetenz bis Klasse 7 wird aufgeführt: „Die Schülerinnen und Schüler können geeignete Software zur Informationsbeschaffung, Informationsaufarbeitung und Präsentation verwenden.“ (S. 97) Außerdem wird im Bereich „Naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Ereignisse in der öffentlichen Diskussion wahrnehmen und bewerten“ darauf verwiesen, dass Schülerinnen und Schüler an öffentlichen Diskussionen teilnehmen können und dazu sich über bedeutende naturwissenschaftliche Entwicklung und deren Geschichte auch „aus elektronischen Medien Informationen über Substanzen, Verfahren oder Persönlichkeiten der Naturwissenschaften selbstständig beschaffen und in den eigenen Erfahrungshorizont“ integrieren können (S. 101).

Im Bildungsplan 2012 sind für den Biologieunterricht der Hauptschule bzw. Werkrealschule einige Ansätze für eine Integration der Medienbildung zu finden. Im Fächerverbund MNT (Materie – Natur – Technik) führt der Bildungsplan Werkrealschule 2012 diverse Aspekte der Medienkompetenz auf. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ werden als zentrale Aufgaben des Fächerverbundes die „Informationsbeschaffung mittels verschiedener Medien und Messmethoden sowie die Darstellung der Ergebnisse mithilfe des Computers und die Verwendung geeigneter Simulationsprogramme“ als integrativer Bestandteil informationstechnischer Grundbildung und der Einsatz des „Computer als Arbeits- und Planungsmittel“ genannt. (S. 123) Die „Kompetenzen und Inhalte“ im Bereich „Kommunikation“ enthalten, dass Schülerinnen und Schüler unter Anleitung „Informationen aus Medien erschließen und auf ihre fachliche Richtigkeit hin prüfen“, Inhalte „sach-, situations- und adressatengerecht strukturiert präsentieren“ und aus geeigneten „Präsentationsarten auswählen“ (S. 128).

Die Wahlpflichtfächer – unter anderem „Natur und Technik“ – des Bildungsplans Werkrealschulen 2012 bieten weitere Anknüpfungsstellen für medienbildnerische Kompetenzen. In den „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ ist die „Medienkompetenz“ als eigene Kompetenz aufgeführt. Zum pädagogischen Grundkonzept gehören „die zielgerichtete Anwendung der Informations- und Kommunikationstechnologie und damit auch der Ausbau der persönlichen Medienkompetenzen.“ (BP 2012 WRS, Wahlpflichtfächer, Seite 94). In den Wahlpflicht-fächern sollen Schülerinnen und Schüler vielfältige Medienkompetenzen erwerben und anwenden. Im Bereich „Umgang mit Fachwissen“ heißt es, dass Schülerinnen und Schüler „mit Präsentations-, Textverarbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogrammen zielführend arbeiten“ und unter „Erkenntnisgewinnung“ können Schülerinnen und Schüler „Ergebnisse mithilfe verschiedenartiger Medien darstellen“ (S. 95). Der Bereich „Kommunikation“ bietet dazu die Gelegenheit, „Medien zielorientiert“ (S. 95) einzusetzen. Auch unter „Kompetenzen und Inhalte“ werden für den Biologieunterricht medienbildnerische Aspekte thematisiert. Im Wahlpflichtfach „Natur und Technik“ können Schülerinnen und Schüler ihre erworbenen Erkenntnisse durch „Medieneinsatz unterstützt dokumentieren und präsentieren“, aber auch ihren „Lernprozess dokumentieren und darstellen“. Als Beispiele werden eine Produktreihe oder ein Portfolio aufgeführt (S. 101).

So wurden die Bereiche der Medienbildung, die im Bildungsplan 2016 mit „Produktion und Präsentation“, „Kommunikation und Kooperation“, „Mediengesellschaft und Analyse“ und „Informationstechnische Grundlagen“ benannt sind, bereits in den Fächerverbünden und Wahlpflichtbereichen in den Bildungsplänen 2004 und 2012 verankert und lieferten Grundlagen für medienbildnerische Inhalte und Kompetenzen.

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Medienkompetenz und Medienbildung im Biologieunterricht ab 2016

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Die Leitperspektive Medienbildung wurde in der Sekundarstufe I in einigen Bereichen des Biologieunterrichts integriert. Die „Leitgedanken zum Kompetenzerwerb“ verweisen auf die „verantwortungsbewusste Nutzung von Informationstechnologien oder das selbstbestimmte Leben in der Mediengesellschaft“ (BP 2016, Sek I, Biologie, S. 4). Es kommen „vielfältige Medien als Informationsquelle und zur Veranschaulichung zum Einsatz. Sowohl bei der Erarbeitung von fachlichen Inhalten als auch bei der Präsentation von Arbeitsergebnissen greifen die Schülerinnen und Schüler in Biologie auf verschiedene Medien zurück und üben so deren Umgang.“ (S. 4) Bei den didaktischen Hinweisen werden für den Medieneinsatz explizit „Filmausschnitte, Modelle und Grafiken“ genannt (S.7).

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

In den prozessbezogenen Kompetenzen des Faches Biologie im Bildungsplan 2016 werden im Bereich „Kommunikation“ einige grundlegende Kompetenzen wie Auswertung, Dokumentation und der Austausch von Informationen aufgeführt. Schülerinnen und Schüler können biologische Sachverhalte mit „geeigneten Präsentationstechniken und -medien“ darstellen, so heißt es an dieser Stelle. Weiterhin werde zur Informationsbeschaffung und Aufarbeitung „zu biologischen Themen in unterschiedlichen analogen und digitalen Quellen“ recherchiert und „komplexe biologische Sachverhalte mithilfe von Schemazeichnungen, Grafiken, Modellen oder Diagrammen anschaulich“ dargestellt. Zudem können Schülerinnen und Schüler „Informationen austauschen“ und diese dann „adressatengerecht präsentieren“ (S. 8).

Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Klassen 5/6

In der Orientierungsstufe Klasse 5/6 werden biologische Inhalte im Fach BNT (Biologie, Naturphänomene und Technik) integriert unterrichtet.

Klassen 7/8/9

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Die Medienbildung wird in den inhaltsbezogenen Kompetenzen Klasse 7/8/9 an zwei Stellen gesondert aufgeführt: im Themenbereich „Ernährung und Verdauung“ setzen Schülerinnen und Schüler zur Informationsbeschaffung in allen drei Niveaustufen Medien ein, um „die Bedeutung von Vitaminen, Mineralstoffen, Ballaststoffen und Wasser nennen und anhand ausgewählter Beispiele [beispielhaft nur für G- und M-Niveau] beschreiben“ zu können (S. 15) und werten „Informationen über den Brennwert von Lebensmitteln (z. B. Produktverpackungen, Nährwerttabellen) in Bezug auf den Energiebedarf“ mit Hilfe von Medien aus, letzteres jedoch nur im M und E-Niveau (S. 16). Ökologie ist ein weiteres biologisches Themenfeld, welches unter den Aspekten „Information und Wissen“ sowie „Produktion und Präsentation“ Potential für Medienarbeit liefert. Schülerinnen und Schüler können in allen Niveaustufen „konkrete Vorschläge für nachhaltiges Handeln an globalen oder lokalen Beispielen dar-stellen und auf ihre Umsetzungsmöglichkeit hin untersuchen“, zum Beispiel am Thema „Eingriffe des Menschen in ein Ökosystem“ (S. 26).

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Klasse 10

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Für den mittleren Schulabschluss Klasse 10 werden keine gesonderten inhaltsbezogenen Medienkompetenzen aufgeführt. Die prozessbezogenen Kompetenzen und Leitgedanken zum Kompetenzerwerb liegen natürlich allen biologischen Themenbereichen, damit auch den Themen der 10. Klasse, zugrunde. So können auch hier beispielsweise Recherchetechniken angewendet und Informationen aufbereitet sowie in Form eines Medienprodukts präsentiert werden.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Bildungsplan der Sekundarstufe I im Biologieunterricht in vielfältiger Weise Bezüge für eine Medienbildung liefert. Die Auflösung und Neustrukturierung der Fächerverbünde hat dafür gesorgt, dass Medienbildungskompetenzen teilweise verlagert wurden. Durch die grundlegende Verankerung der Medienbildung als Leitperspektive wurde jedoch die Möglichkeit gegeben, in allen Fächern und zu allen Themen medienbildnerisch zu arbeiten.

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Unterrichtsidee: Erklärfilm – Mitose

Biologie, Klasse 5–7, SekI/Gym: Auf Grundlage der Materialsammlung „Grundlagen der Genetik“ wird das Thema Mitose wiederholt und vertieft. Auf drei Niveaustufen erstellen die Schüler/-innen in Partnerarbeit Erklärfilme dazu.weiterlesen

Weitere Anregungen für die pädagogische Praxis