Biologie – Gymnasium – Bildungsplan 2016

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Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die zentralen medienbildnerischen Kompetenzen, die der Bildungsplan 2016 für das Fach Biologie im Gymnasium vorsieht.

Rückblick auf den Bildungsplan 2004 – welche Vorarbeit wurde geleistet?

Der Bildungsplan 2004 weist für den Biologieunterricht im Gymnasium keine gesonderten Medienbezüge auf. Wenngleich sich verschiedene biologische Themen über alle Klassenstufen hinweg für Internetrecherchen oder die Erstellung von Präsentationsmedien eignen, werden unter „Kompetenzen und Inhalte“ medienbildnerische Aspekte trotzdem nicht explizit aufgeführt.

Einige Bereiche der Medienbildung, die im Bildungsplan 2016 mit „Information und Wissen, „Produktion und Präsentation“ und „Kommunikation und Kooperation““ benannt sind, werden folglich stärker als bisher in den Biologieunterricht des Gymnasiums integriert werden müssen. Aufgrund seiner thematischen Struktur und den zahlreichen Ansatzmöglichkeiten für eine integrative Medienbildung ist eine spiralcurriculare Verankerung über alle Klassenstufen hinweg für den Biologieunterricht vergleichsweise leicht umzusetzen.

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Medienkompetenz und Medienbildung im Biologieunterricht ab 2016

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Im Bildungsplan 2016 für Biologie an Gymnasien wird in den Leitgedanken zum Kompetenzerwerb der Leitperspektive Medienbildung insofern Bedeutung beigemessen, dass im Biologieunterricht „vielfältige Medien als Informationsquelle und zur Veranschaulichung zum Einsatz“ kommen (BP 2016, Gym, Biologie, S. 4). Es werden die Felder der Medienbildung „Information und Wissen“, „Produktion und Präsentation“ sowie „Kommunikation und Kooperation“ besonders berücksichtigt. „Sowohl bei der Erarbeitung von fachlichen Inhalten als auch bei der Präsentation von Arbeitsergebnissen greifen die Schülerinnen und Schüler in Biologie auf verschiedene Medien zurück und üben so deren Umgang.“ (S. 4). Neben den analogen Medien bieten sich digitale Medien für umfassende Recherchen an, die anschließend in selbst gestaltete Präsentationen einfließen. In naturwissenschaftlichen Fächern spielt die Veranschaulichung von Inhalten per Darstellung als Bilder, Diagramme oder Filme und mehr seit jeher eine große Rolle. Denn wie sich den didaktischen Hinweisen entnehmen lässt, entsteht Anschaulichkeit „durch vielfältigen Medieneinsatz“. Neben den Realobjekten werden an dieser Stelle Medien wie „Filmausschnitte, Modelle und Grafiken“ besonders hervorgehoben (S. 8).

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Medienbildung in den prozessbezogenen Kompetenzen

In den prozessbezogenen Kompetenzen für das Fach Biologie an Gymnasien werden im Bildungsplan 2016 im Bereich „Kommunikation“ die grundlegenden Kompetenzen Auswertung, Dokumentation und Austausch von Informationen genannt. Schülerinnen und Schüler können biologische Sachverhalte mit „geeigneten Präsentationstechniken und -medien“ darstellen, so heißt es an dieser Stelle. Weiterhin wird für die Informationsbeschaffung und Aufarbeitung biologischer Themen „in unterschiedlichen analogen und digitalen Quellen“ recherchiert, dazu werden „Informationen aus Texten, Bildern, Tabellen, Diagrammen oder Grafiken“ entnommen und „komplexe biologische Sachverhalte mithilfe von Schemazeichnungen, Grafiken, Modellen oder Diagrammen anschaulich“ dargestellt. Schülerinnen und Schüler können ihre „Informationen austauschen“ und diese dann „adressatengerecht präsentieren“ (S. 8). Die gesellschaftliche Bedeutung biologischer Themen wird von Schülerinnen und Schülern im Unterricht erkannt, eingeordnet und bewertet. Ein reflektierter Umgang mit Medien wird geübt, indem Schülerinnen und Schüler „die Aussagekraft von Darstellungen in Medien bewerten“ (S. 11).

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Medienbildung in den inhaltsbezogenen Kompetenzen

Klassen 5/6

In der Orientierungsstufe Klasse 5/6 werden biologische Inhalte im Fach BNT (Biologie, Naturphänomene und Technik) integriert unterrichtet.

Klassen 7/8

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„Ernährung und Verdauung“ eignet sich als Thema besonders gut zur Vermittlung von inhaltsbezogenen Kompetenzen mit Bezügen zur Medienbildung. Denn das Verständnis für eine ausgewogene und gesunderhaltende Ernährung wird unter anderem dadurch erlangt, dass einzelne Bestandteile der Nahrung genannt, deren Aufbau mit einfachen Modellen beschrieben sowie deren Funktion erläutert werden. Weiterhin beschreiben Schülerinnen und Schüler die Bedeutung von Vitaminen, Mineralstoffen und Wasser für den menschlichen Körper (S. 14). Es bietet sich an, dass Schülerinnen und Schüler für den Aufbau dieses fachlichen Wissens auch digitale Medien verwenden. Es werden umfangreiche Materialien rund um eine gesunde Ernährung u.a. von Ministerien, Bildungseinrichtungen, Verlagen oder Filmverleihen angeboten, darunter beispielsweise auch preisgekrönte Dokumentarfilme oder Unterrichtsmaterialpakete. In die Tiefe geht die thematische Beschäftigung bei der Ermittlung des Energiebedarfs eines Individuums. Die Schülerinnen und Schüler werten anschließend die Brennwertangaben seitens der Hersteller in Bezug auf den Energiebedarf aus (S. 14). Für derlei Berechnungen und die Ergebnisdarstellung bietet sich beispielsweise der Einsatz von Software zur Tabellenkalkulation an.

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Klassen 9/10

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„Genetik“ und „Ökologie“ sind Themen für die Klassen 9/10, bei denen die Leitperspektive Medienbildung explizit erwähnt wird. In den Klassenstufen 9/10 werden Medien außer für die Informationsbeschaffung und Bewertung, auch für die Erstellung von Präsentationen o-der zur Medienproduktion eingesetzt (S. 21). Es bietet sich an mit Schülerinnen und Schüler Erklärfilme anzusehen, aber auch diese selbst herzustellen. Biologische Sachverhalte könnten mit Hilfe von 3D-Modellen erklärt werden, beispielsweise um beim Thema „Genetik“ den Aufbau der DNA darzustellen. Anhand eines Modells werden Eigenschaften der DNA erläutert, anschließend mit Hilfe eines Filmes die Mitose erklärt (S. 21). Anhand eines Beispiels können Schülerinnen und Schüler den „Einsatz der Gentechnik beschreiben und beurteilen“. Die Themen Landwirtschaft, Medikamentenherstellung, Tierzucht bieten sich hierzu in besonderem Maße an (S. 21).


„Ökologie“ ist ein weiteres Themengebiet, bei dem das Feld „Information und Wissen“ aus-gewiesen wird. Ökosysteme werden an einem Beispiel untersucht, Schülerinnen und Schüler erfassen Daten, werten diese aus und erkennen die Angepasstheiten und Wechselwirkungen zwischen Lebewesen. Der Einfluss des Menschen auf Ökosysteme wird „im Hinblick auf nachhaltige Entwicklung“ bewertet (S. 23). Wenn es um „konkrete Vorschläge für nachhaltiges Handeln an lokalen oder globalen Beispielen“ geht, können Lehrkräfte wiederum Medien im Unterricht einsetzen (S. 23). So werden im Internet unter dem Stichwort Nachhaltigkeit unzählige Infografiken, Fachtexte oder Statistiken angeboten, die bei der Beurteilung ökologischer Maßnahmen von Interessengruppen einfließen können.

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Klassen 11/12 (zweistündiger Kurs)

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Im neuen Bildungsplan für die Gymnasien werden für Klasse 11/12 Kompetenzen für einen zweistündigen und einen vierstündigen Biologiekurs ausgewiesen. In den Kursen werden verschiedene thematische Verknüpfungen der Leitperspektive Medienbildung aufgegriffen, so dass die Kurse an dieser Stelle getrennt behandelt werden.
Im zweistündigen Biologiekurs stehen beim Thema „Biomoleküle und molekulare Genetik“ die biologische Bedeutung von Proteinen und deren Bausteine im Fokus. Geeignete Modelle finden hier Verwendung (S. 25). Wenn die „Hemmung (reversibel und irreversibel) und Regulation der Enzymaktivität an Beispielen“ beschrieben wird, können Schülerinnen und Schüler sowohl für die „Kommunikation und Kooperation“ untereinander, wie auch für die „Produktion und Präsentation“ ihrer Ergebnisse, Medien einsetzen (S. 25).
Das Thema „Molekularbiologische Verfahren und Gentechnik“ liefert außerdem Anknüpfungspunkte für den Medieneinsatz (S. 27). Sowohl für die Bewertung von „Chancen und Risiken von gentechnisch veränderten Organismen“ wie auch zur Beschreibung von Therapieansätzen in der modernen Medizin ist geboten, aufgrund der rasant fortschreitenden technologischen Entwicklungen, aktuelle Entwicklungen in den Unterricht einzubeziehen. Hierzu können beispielsweise wissenschaftliche Artikel und Wissensdatenbanken aus dem Internet – auch in Originalsprache, z.B. Englisch – zur Diskussion und Bewertung herangezogen werden (S. 27).

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Klassen 11/12 (vierstündiger Kurs)

Im vierstündigen Biologiekurs ist das medienbildnerische Feld „Information und Wissen“ im Thema „System Zelle“ und dem Unterthema „Zellorganellen“ angesiedelt (S. 30): „Die Schülerinnen und Schüler erweitern ihre Kenntnisse von der Feinstruktur der Zellen anhand elektronenmikroskopischer Bilder.“ Diese Bilder können gegebenenfalls selbstständig recherchiert und anschließend analysiert werden. Anhand elektronenmikroskopischer Aufnahmen werden Struktur und Funktion der Organellen erläutert, aber auch die Kompartimentierung der Zellen in unabhängig funktionierende Räume begründet (S. 30).


Die „Biokatalyse“ ist ein biologisches Thema welches anhand von Modellen erklärt werden kann (S. 32). Sowohl die Wirkungsweise von Enzymen (Schlüssel-Schloss-Prinzip), wie auch die Hemmung und Regulation der Enzymaktivitäten sind biochemische Vorgänge, deren Komplexität zum Beispiel per Infografik dargestellt werden kann. Die Felder „Kommunikation und Kooperation“ sowie „Produktion und Präsentation“ werden dabei besonders ausge-wiesen. So befassen sich die Schülerinnen und Schüler erst mit dem Bau und den Eigenschaften von Enzymen, dann mit deren Abhängigkeit von verschiedenen äußeren Faktoren und den Regulationsmechanismen unter Anderem indem Medien für den Unterricht verwendet werden (S. 32).
Beim Thema „Molekularbiologische Verfahren und Gentechnik“ sind die Vorgaben teilweise vergleichbar mit dem zweistündigen Kurs: Die Bewertung von „Chancen und Risiken von gentechnisch veränderten Organismen“ bietet sich für die Leitperspektive Medienbildung „Information und Wissen“ an. Darüber hinaus können Schülerinnen und Schüler im vierstündigen Kurs aber auch „ein molekularbiologisches Experiment durchführen und auswerten“ sowie ein „Verfahren zur Herstellung transgener Organismen“ wie z.B. Gentransfer und Isolierung erläutern (S. 33).


Die „Chancen und Risiken biomedizinischer Verfahren“ werden im vierstündigen Biologiekurs anhand der Fortpflanzung erörtert. So beschreiben Schülerinnen und Schüler die „Methoden der Reproduktionsbiologie am Menschen“ und bewerten „die Methoden der Pränataldiagnostik“ (S. 37). Die Leitperspektive Medienbildung knüpft bei der Beschreibung eines Therapieansatzes der modernen Medizin an. Die Schülerinnen und Schüler können sich Wissen über aktuelle reproduktive Therapien aneignen und in geeigneter Weise mit Hilfe von Medieneinsatz weitergeben (vgl. ebd.).

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Ausgewählte Praxisbeispiele

Unterrichtsidee: Erklärfilm – Mitose

Biologie, Klasse 5–7, SekI/Gym: Auf Grundlage der Materialsammlung „Grundlagen der Genetik“ wird das Thema Mitose wiederholt und vertieft. Auf drei Niveaustufen erstellen die Schüler/-innen in Partnerarbeit Erklärfilme dazu.weiterlesen