Audiotechnik: Mikrofone

Bild: Pixabay, Lizenz: CC0

Die Aufnahme ist das A und O jeder Audioarbeit. Daher lohnt es sich etwas mehr Geld für ein einigermaßen gutes Mikrofon auszugeben und es lohnt sich vor allem, die Mikrofone in einem Spezialgeschäft auszuprobieren.

Eine schlechte Aufnahme kann selbst durch den besten Computer kaum gerettet werden. Bevor man ein Mikrofon kauft, sollte man sich vorher überlegen, wofür es gebraucht wird:

 

  1. Sprachaufnahmen für Interview, Podcasts, Videocasts, Hörspiele, Gruppen-Aufnahme oder einzelne Stimme
  2. Gesangs-Aufnahmen von Personen oder Gruppen
  3. Musikaufnahmen von Instrumenten
  4. Aufnahme mit einer Videokamera

 

Ein weiteres Kriterium ist, ob die Aufnahmen draußen oder in einem Raum, zum Beispiel in einem Klassenzimmer oder einem kleinen Studio stattfinden sollen. Bevor hier weiter auf die Einsatzgebiete verschiedener Mikrofone eingegangen wird, folgt ein kleiner Überblick über die gebräuchlichsten Mikrofontypen.

Dynamische Mikrofone

Beyer Dynamic M 58; Bild: LMZ

In Situationen mit hohen Schalldrücken (Schulhof, Sporthalle, Sportplatz, Straßenlärm, Maschinengeräusche, Schlagzeug, Gitarrenverstärker, die mit einem Mikrofon extra abgenommen werden), werden dynamische Mikrofone verwendet, da sie hohe Pegel gut verkraften und den Schall mit einem als „warm“ zu bezeichnenden Klangbild weitergeben. Allerdings reagieren sie auch etwas träge auf den eintretenden Schall und sind für Aufnahmen im Hörspiel- oder Klassik-Bereich eher nicht zu gebrauchen. Von Vorteil ist, dass dynamische Mikrofone keine zusätzliche Stromversorgung benötigen.

Kondensator-Mikrofone

Rode NT3; Bild: LMZ

Kondensator-Mikrofone werden mit Strom betrieben, sie haben entweder eine Batterie (in der Regel eine AAA-Mignon-Batterie) eingesetzt oder werden mit der so genannten Phantomspeisung betrieben. Damit ist eine Stromversorgung von 48 Volt gemeint, welche über das angeschlossene Mikrofonkabel vom Mischpult oder der Soundkarte zur Verfügung gestellt werden muss. Kondensator-Mikrofone reagieren in der Regel empfindlicher auf den eintretenden Schall als ihre dynamischen Kollegen. Sie sind daher für den Gebrauch in Studios (mit wenig Störgeräuschen) oder bei leiseren Klangquellen wie Gesang oder Sprache geeignet.

Richtcharakteristik

Die Richtcharakteristik eines Mikrofons beschreibt die Richtung, aus der der Schall am intensivsten aufgenommen wird, also von vorne oder auch von der Seite oder von allen Seiten gleichzeitig. Die Art des einzusetzenden Mikros ergibt sich aus dem Abstand zur Schallquelle und der Anzahl der Schallquellen.

Nierencharakteristik

Der Schall wird hier vor allem von vorne und von der Seite aufgenommen. Das Mikrofon sollte also auf die Schallquelle gerichtet sein und einen Abstand von ca. 20 cm nicht überschreiten. Dies findet vor allem bei einzelnen Sprechern, Sängern oder bei der gezielten Aufnahme von Instrumenten Anwendung. Dabei werden Stör- und Nebengeräusche von der Seite und von hinten weitgehend unterdrückt.

Kugelcharakteristik

Das Mikrofon nimmt in jede Richtung den Schall in gleicher Intensität auf. Eine Gruppe von Personen an einem Tisch kann also gut mit einem einzigen Mikrofon aufgenommen werden. Beim späteren Abhören der Aufnahme ist allerdings nicht zu erkennen, aus welcher Richtung der Ton kommt.

Keule

Die ist das klassische Richtmikrofon. Es dient vor allem zur Aufnahme von etwas weiter entfernten Schallquellen. Zum Beispiel bei der Aufnahme eines Chors oder wenn mit dem Mikrofon nicht nahe an die Schallquelle heran gefahren werden kann.

Acht

Der Schall wird von zwei entgegengesetzten Seiten gleichermaßen stark aufgenommen, vergleichbar mit zwei nebeneinander positionierten Kugelmikrofonen.

 

 

Die Illustrationen stammen vom Movie-College-Team München.

Mono oder Stereo?

Die Aufnahme eines Mikrofons ist grundsätzlich mono. Nimmt man etwa mit einem Mikrofon etwas auf, dann befindet sich der Klang oder das Geräusch später beim Anhören mit einem Kopfhörer oder zwei Boxen akustisch in der Mitte. Für den Hörer lässt sich die Schallquelle im Raum nicht lokalisieren, sie scheint von überall her zu kommen. Bei einem vorbeifahrendem Zug kann also nicht seine Fahrtrichtung hörbar gemacht werden, lediglich die Lautstärkeunterschiede sind hörbar.

 

Herkömmliche Abspielgeräte wie Fernseher, PC-Boxen, Kopfhörer ermöglichen aber eine Stereowiedergabe. Wie beim menschlichen Gehör soll durch die Stereowiedergabe der Klang räumlich zugeordnet werden können. Als kleine Übung empfiehlt sich, ein Musikstück oder auch ein Hörspiel mit Kopfhörern anzuhören. Leicht lassen sich hier die einzelnen Instrumente oder Stimmen im Raum zuordnen. Zum Beispiel wird die Hauptstimme in der Mitte, der Chor etwas rechts und die Blasinstrumente etwas links im Raum hörbar sein.

 

Will man also zum Beispiel in einem Studio zwei Sprecher aufnehmen, bei denen einer links und der andere rechts sitzt, sind mindestens zwei Mikrofone notwendig, welche gleichzeitig ein Signal aufnehmen. Das Aufnahmegerät sollte folglich über zwei oder mehrer Eingänge verfügen, wie es bei Mischpulten oder Soundkarten der Fall ist. Bei der späteren Bearbeitung (am Computer/Mischpult) wird das eine Mikrofon-Signal nach links geschoben und das zweite nach rechts.

 

Mit so genannten Stereo-Mikrofonen, welche vom Prinzip zwei Mikrofone in einem sind, kann man sich die Arbeit erleichtern. Sie sind vor allem in Videorekordern oder mobilen Rekordern eingebaut. Hier wird das aufgenommene Signal automatisch in einer Stereo-Spur gespeichert.

Mikrofonzubehör

Je nach Aufnahmesituation ist das eine oder andere Zubehör beim Einsatz von Mikrofonen oder eines mobilen Recorders sinnvoll:

Stativ

Um ein Mikrofon in der optimalen Position zu fixieren, verwendet man ein Stativ. Es ist darauf zu achten, dass die Schraubklemme des Mikros zum Stativ passt. Bei häufigem Auf- und Abbau des Stativs ist es ratsam, ein stabileres und damit teureres Stativ zu verwenden, da die beweglichen Teile und Schraubverbindungen die Schwachstellen darstellen.

Pop- und Wind-Schutz

Bei Aufnahmen im Freien kann es zu unerwünschten Windgeräuschen kommen. Eine Schaumstoffkappe, die über das Mikrofon gestülpt wird, oder ein Korb mit „Pudelfell“ kann Abhilfe schaffen. Bei Sprach- und Gesangsaufnahmen kann es bei Zischlauten zu Pop-Geräuschen (zum Beispiel „P“ bei „Porzellan“) kommen, die die Aufnahme ruinieren. Eine Fläche mit Stoffbespannung, die vor das Mikrofon montiert wird (im Fachjargon „Pop-Schutz“) kann diese Geräusche von vornherein herausfiltern.

Mikrofon-Angel

Bei Filmaufnahmen darf im Bildausschnitt kein Mikrofon zu sehen sein. Mithilfe einer Mikrofon-Angel kann das Mikrofon oberhalb oder unterhalb des sichtbaren Bereiches gehalten werden. Die Angel ist meist ein Teleskop-Stab aus Carbon oder Aluminium.

Mic-Screen/Diffusor

Wenn eine Aufnahmesession in einem großen Raum wie zum Beispiel ein Klassenzimmer aufgenommen wird, ist der Raum als Hall oder durch unschöne kurze Echos hörbar. Ein gewölbte Schaumstofffläche, die am Mikrofonstativ hinter das Mikrofon oder dem mobilen Recorder befestigt wird, minimiert die Reflexionen und Nebengeräusche. Dadurch lassen sich u. A. aufwendigere Studio-Bau-Maßnahmen ersparen und es ist auch für den mobilen Einsatz empfehlenswert.

Spinne

Um größere Mikrofone erschütterungsfrei an ein Mikrofonstativ zu befestigen können, benötigt man eine Spinne. Stöße gegen den Mikrofonständer werden dadurch etwas abgedämpft. Die Störgeräusche können so minimiert werden.

Mikrotipps

  • Unbedingt darauf achten, dass das Mikrofon über einen sogenannten Popp-Schutz verfügt. Das ist eine Ummantelung vorne am Mikrofon aus Stoff/Kunststoff, um Zisch- oder Popp-Laute (p, t, k, sch), Windgeräusche etc. abzumildern.
  • Gehen Sie immer mit dem Mikrofon so nah wie möglich an die Klangquelle heran. Bei Sprachaufnahmen (Interview) gilt: eine Bleistiftlänge Abstand vom Mund des Sprechenden.
  • Niemals das Mikrofon aus der Hand geben. Manche Interviewpartner versuchen, dem Reporter/der Reporterin das Mikrofon aus der Hand zu nehmen. Als der Interviewende sollten Sie immer das Heft (hier das Mikrofon) des Handelns in der Hand behalten.
  • Je weiter ein Mikrofon von der Schallquelle entfernt ist, desto größer ist der Hallanteil des Signals. In der Wahrnehmung erscheint die Schallquelle dann auch weiter entfernt zu sein.

Handouts

mikrofone_mit_Glossar.pdf

mikrofonzubehoer.pdf

Texte