„Always on!“ – Chancen und Risiken

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Das Smartphone hat im heutigen Zeitalter, so die aktuelle JIM-Studie, einen nicht mehr wegdenkbaren Kultstatus als „[...] multifunktionales Kommunikationswerkzeug und Informationszentrale für das persönliche Netzwerk der Jugendlichen“. Mit ihm erfahren sie mehr über die Interessen anderer und womit sie sich beschäftigen, können sich anhand dieser Informationen mit ihnen vergleichen, orientieren und selbstdarstellen. Mithilfe der Messenger und Communitys pflegen sie ihre Gruppenzugehörigkeit, testen sich selbst aus, werden kreativ und regeln ihren Alltag. Spiele werden gespielt, Videos geschaut, Musik gehört. Kein Wunder also, dass schnell ein Gefühl der Isolation eintritt, wenn mal kein Smartphone zur Hand ist. Es ist faszinierend „Always on!“ zu sein und stets die neusten Informationen und Nachrichten seiner Freunde zu erhalten. Doch gerade weil die Faszination so groß und die Möglichkeiten so vielfältig sind, sollte stets darauf geachtet werden, wem welche Informationen in Form von Text-, Bild- oder Videonachrichten zur Verfügung gestellt werden. Denn schnell kann ein Bild in die Hände der falschen Person geraten und damit schwerwiegende Folgen auslösen. An dieser Stelle werden zwei solcher Fälle näher angeschaut.

Sexting – intime Bilder per Messenger

Ein relativ junger Trend unter Jugendlichen ist das sogenannte „Sexting“ (Zusammensetzung aus „Sex“ und „Texting“). Dabei werden erotische Fotos oder freizügige Videos per Smartphone oder Computer versendet. Besonders häufig geschieht das über Apps wie WhatsApp oder Snapchat zwischen zwei Partnern in einer Beziehung. Die Gründe dafür sind verständlich, gerade wenn sich die jungen Erwachsenen in einer räumlich getrennten Situation befinden. Sexting hilft ihnen die fehlende Nähe durch sehr persönliche Aufnahmen zu überbrücken. Auch zum Flirten oder zum Austesten von sich und seinem Körper (zum Beispiel im Hinblick auf darauf folgende Rückmeldungen und Kommentare) wird Sexting häufiger eingesetzt. Doch gerade wenn es um den eigenen Körper und die damit verbundene Freizügigkeit geht, ist Vorsicht geboten. Denn so kann es passieren, dass das erstellte Material nicht nur die Person erreicht, für die es gedacht war, sondern dass es ungewollt oder aus böser Absicht (zum Beispiel als Racheakt nach einem Streit oder einer Trennung) auch an andere Menschen verbreitet wird. Das ist nicht nur sehr unangenehm und bloßstellend, sondern kann im ungünstigsten Fall auch (Cyber-) Mobbing oder soziale Ausgrenzung zur Folge haben.

 

Immer wieder entstehen solche freizügigen Aufnahmen auch unter dem (Ein-) druck der sozialen Erwünschtheit, denn schaut man sich die heutigen, stark körperbetonten Medienbilder an, könnte man schnell in den Glauben kommen, dass diese Darstellungsart der gesellschaftlichen Grunderwartungshaltung entspricht. Die Medien inspirieren die Jugendlichen und weisen sie auf neue Orientierungen hin. Gleichzeitig bauen sie aber auch einen unterbewussten Druck auf, wobei die damit verbundene Gradwanderung zwischen Können, Müssen und Wollen (gerade bei jungen Erwachsenen in der Identitätsfindungsphase) nicht immer einfach zu meistern ist. Mehr zum Thema Sexting erfahren Sie hier.

(Cyber-) Mobbing – anonyme Beleidigungen rund um die Uhr

Kommt beispielsweise ein freizügiges Foto in die falschen Hände, kann (Cyber-) Mobbing schnell die Folge sein. So wird die betroffene Person beispielsweise mit Veröffentlichungen in Sozialen Netzwerken, anonymen und lästigen Anrufen, falschen Behauptungen in Hassgruppen oder Messenger-Nachrichten bloßgestellt, bedroht und gedemütigt. Die Täter, auch „Bullys“ genannt, suchen sich dabei meist ein Opfer, das sich schwer zur Wehr setzen und entsprechend einfacher sozial isoliert werden kann. Im Gegensatz zum Offline-Mobbing sind die Möglichkeiten des Cybermobbing beinahe unbegrenzt: Rund um die Uhr können die Täter falsche Behauptungen und Verleumdungen an eine unüberschaubar große Zahl an Mitläufern verbreiten ohne dabei ihre Identität preisgeben zu müssen. Überdies sind die Hemmschwellen hinsichtlich der Bloßstellungen deutlich geringer als beim einfachen Mobbing, da man dem Opfer nicht in die Augen sehen muss. Im schlimmsten Fall vermischen sich Mobbing und Cybermobbing, wobei die Opfer nicht nur im realen Umfeld (zum Beispiel der Schule), sondern zusätzlich auch über die digitalen Medien beleidigt und bloßgestellt werden. Die Betroffenen haben in der Folge keine Rückzugsräume mehr.

 

Wie alle Formen von Mobbing kann Cybermobbing ernstzunehmende psychische und körperliche Belastung verursachen. Identitäts- und Selbstwertkrisen, Erschöpfungs- und Angstzustände und ein anhaltend depressives oder ängstliches Lebensgefühl können die Folge sein. Verhindern kann man Cybermobbing leider nicht, dennoch existieren präventive Maßnahmen, um sich bestmöglich vor einem solchen Angriff zu schützen. Jugendliche sollten stets kritisch und sensibel mit ihren Daten im Internet umgehen und sich darüber im Klaren sein, dass das Veröffentlichen von persönlichen Daten in Blogs, Sozialen Netzwerken oder Communitys sie verletzlich und entsprechend angreifbar macht. Wenn man selbst nicht gemobbt werden möchte, sollte man auch respektvoll mit anderen umgehen und die (Online-) Regeln einhalten. Ebenfalls sollten Privatsphäre-Einstellungen in den einzelnen Netzwerken regelmäßig überprüft und aktualisiert werden. Eltern und Schule wiederum können die Jugendlichen unter anderem durch Diskussionen, die Förderung von Werten wie Respekt und Achtung, ebenso wie durch praktische Übungen (zum Beispiel Rollenspiele) unterstützen. Mehr zum Thema Cybermobbing erfahren Sie hier.

Das Smartphone: Fluch oder Segen?

So wie auch bei Glücksspielautomaten, kann die übermäßige Nutzung des Smartphones zu Abhängigkeiten führen. Sei es ausgelöst durch unangenehme Aufgaben oder Stresssituationen, die man durch einen kurzen Blick auf das Display unterbrechen will, sei es zur reinen Entspannung und Kommunikation mit Freunden. Immer wieder wird überprüft, ob neue Nachrichten angekommen sind, gepostete Bilder mit Likes und Kommentaren versehen oder innerhalb der Gruppen von Messenger-Diensten bereits Pläne für das Wochenende geschmiedet wurden. Dabei werden bei jeder positiven Nachricht Glückshormone ausgeschüttet und regen entsprechend zum Weitermachen an. Doch muss diese Vorgehensweise nicht automatisch schlimm sein, wenn man weiterhin die Fähigkeit hat, seinem schulischen/beruflichen Alltag, ebenso wie seinen Hobbies nachzugehen. Wichtig ist, kritisch zu reflektieren, was man mit seinem Smartphone macht und mit ihm veröffentlicht, seine Auswirkungen nachzuvollziehen und sich über die damit verbundenen, möglichen Gefahren bewusst zu sein. Und natürlich sollte dann noch etwas Platz bleiben, um einfach nur Spaß beim Kommunizieren mit seinen Freunden zu haben, denn ist man sich den Chancen und Risiken eines Smartphones bewusst und kann dieses verantwortungsvoll einsetzen, ist dieser handliche und multimediale Alleskönner eine große Bereicherung für unseren Alltag.